Warum ich nach 17 Jahren mit Design aufhöre

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Dienstag, 01. April 2014
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Heute, mit bald 35, verstehe ich endlich, warum ich immer wieder gefragt wurde «Was macht man denn so als Grafiker? Programmieren und so?». Kein Mensch versteht der Sinn und Zweck hinter meinem Beruf als Designer.

Um es klarzustellen: ich liebe meinen Job. Ich habe mein Leben lang nichts anderes getan, als Dinge wie Websites oder Apps schöner und nutzbarer zu machen. Stets war es mir ein Anliegen, nicht die Lösung in der Gestaltung zu finden, welche mir am meisten bringt oder gefällt, sondern die, welche dem Kunden das beste Ergebnis beschert. Und ich versprach stets weniger als ich lieferte. Immer schön auf den letzten Drücker, aber pünktlich wie ein Schweizer Wecker.

Nach all diesen Jahren, schwirren Stimmen von Kunden in meinem Kopf umher, die immer lauter werden. Zum Beispiel «Die Schrift die verwendet wurde, scheint etwas altmodisch. Bitte 10-20 modernere Varianten versuchen» oder «Der Login-Link sollte ca. 21 Pixel nach rechts (dort wo Sie ‘Knotakt’ statt ‘Kontakt’ geschrieben haben -> bitte korrigieren)». Solche und eine Million andere Sätze laufen wie ein endloses Tonband in meinem Kopf. Ich meine, früher, da schrieben die Kunden noch Briefings und erklärten, was sie wollten. Heute ist man dafür zu beschäftigt. Keine Zeit. Kein Geld. Aber bitteschön, wir rechnen mit der besten Lösung. Sagen wir bis morgen Abend?

Lange habe ich hin- und her überlegt, wie ich die Situation ändern könnte. Doch alle Versuche, den Spiess umzukehren, scheiterten. So habe ich mich schweren Herzens entschieden: nach 17 Jahren ist es endlich an der Zeit für etwas Neues.

Wer mich kennt, der weiss, dass es schon immer mein grosser Traum war, Orangen zu verkaufen. Und genau das wird jetzt bald Wirklichkeit: ab dem 1. August werde ich in Zürich, gleich neben der Frauenbadi am Stadthausquai, meinen Orangen-Shop «Blums Orangenparadies» eröffnen. Nebst Orangen aus Süditalien, werde ich auch allerlei Nebenprodukte meiner Lieblingsfrucht verkaufen und Platz zum verweilen in einem herrlichen Vintage-Bistro mit Leseecke und Handystörsender anbieten. Die alte Glas-Türe wird so präpariert, dass sie immer schrecklich quietscht beim Öffnen und zudem hänge ich ein Glockenspiel auf, welches jedes Mal bimmelt. Der Fussboden wird mit schiefen Eichendielen ausgelegt und auf der Theke wird eine laut ratternde Registrierkasse von 1912 stehen.

Ich freue mich auf eine neue Welt und die Herausforderungen eines Orangen-Verkäufers. Natürlich hoffe ich dann auf eure Unterstützung und einen anständigen Flash-Mob bei der Eröffnung.

Bis bald,
eurer David Blum

Tagged: Leben
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