Warum ich mit dem Rauchen aufhören wollte

Lesezeit: 4 Minuten - Veröffentlicht am9. November 2013

Will man mit dem Rauchen aufhören, ist das gar nicht so einfach. Ich rauchte meine erste Zigarette mit 12 Jahren und mir wurde danach speiübel. Versteckt habe ich mich dabei im dichtesten Gebüsch unseres Gartens in Langenthal, zusammen mit meinem damaligen besten Schulkameraden Rainer.

Das Zigarettenpäckchen Marlboro fanden wir auf dem Schulweg hinter einem Zaun in der Nähe der Migros, hinter dem wir manchmal Ausschau nach weggeworfenen Sex-Heftli hielten (tststss). Wir husteten und wussten natürlich nicht, was mit dem Rauch im Mund genau anzustellen ist. Nach ein paar Zügen löschten wir die Zigarette schnell wieder aus, da der Qualm langsam Richtung Küchenfenster zog, hinter dem meine Mutter gerade das Mittagessen zubereitete. Gleich darauf ertönte auch schon ein langezogenes «Daaaaaaviiiid? Ässe!» und ich rannte schnell zum Gartenschlauch um mir so gut wie möglich den Mund zu spülen. Meine Mutter wird es wohl sofort gerochen haben. Nur gesagt hat sie nichts.

Ein paar Jahre vergingen, bis es eines Sommers bei den Jungs unserer Klasse mode war, Nielen (Waldreben) zu rauchen. Selbstverständlich wurde uns davon so richtig schlecht und auch die Mutter konnte nicht mehr schweigen. Als der Sommer vorbei war, waren auch die Nielen bald wieder vergessen.

Raum für Dunst
Einige Jahre später richtete mein Schulkamerad Patrick dann bei sich zuhause im Keller das “Rüümli” ein: getarnt als Aufenthaltsraum um sich mit seinen Kollegen zu treffen, zu gamen und TV zu gucken wurde daraus bald ein immer fleissiger besuchter Kiff-Raum (seine Eltern waren entweder blind, geruchsgeschädigt und taub oder seeehr grosszügig). Joints, Bongs und gespickte Joghurt wurden rumgereicht. Nebst Bier natürlich.

Bands & Coolness
Wieder Jahre später war ich stolzes Mitglied einer Ska-Band (Saxophon & Gesang). Die älteren Bandmitglieder rauchten selbstverständlich selbstgedrehte Zigaretten, später fixfertige. Und so kam auch ich dazu, regelmässig zu rauchen.

Nie habe ich damals hinterfragt, wie schlecht es denn sei zu rauchen. Mir war klar, dass es sicher ungesund war. Aber Bandproben ohne Zigaretten und Bier wären keine Bandproben gewesen. Selbst die intelligentesten Bandmitglieder begannen zu rauchen, alle rauchten. Manchmal gingen auch Joints rum, klar. Man spielte ja auch jamaikanische Ska-Musik.

Zu unserer besten Zeit hatten wir während Monaten jedes Wochenende einen Auftritt, oft auch zwei. Gaskessel Biel und Bern, Kiff Aarau, Kaserne Basel, Schützi Olten, Bandlager in Frankreich, Kofmehl Solothurn, Abart Zürich, Deutschland-Tournee, Festivals undsoweiter. Es war eine geile Zeit und ich rauchte und trank was gerade so rumstand. In den letzten zehn Jahren habe ich kaum mehr geraucht. Und ich frage mich heute: warum rauchte ich? Warum raucht der Mensch? Schaffe ich es mit einem Blogpost, jemandem zu begeistern mit dem Rauchen aufzuhören?

Politik und Geld
Es wurde viel geschrieben darüber, über das Rauchen und das Aufhören. Wenn man nach dem Thema googelt, landet man auf Seiten die Ratschläge dazu geben, welche Nebenwirkungen denn das Aufhören mit sich bringt, was man denn tun könne und immer lautet die Antwort: Nikotinersatzprodukte. Die Siegfried Holding in Zofingen z.B. macht gehörig Umsatz damit. Da es auf unserer Welt immer ums Geld geht, geht’s auch beim Rauch-Stopp ums Geld, logisch.

Nur zufällig stiess ich bei meiner Suche darauf, dass z.B. unser FTP FDP Ständerat (und Oberst im Armeestab) Felix Gutzwiller sich für Umwelt und Gesundheit einsetzt. So liegt ihm die Gesundheit des Volkes so fest am Herzen, dass er beispielsweise Passivrauchen als Übel unserer heutigen Gesellschaft sieht. 2008 stimmte man in der Schweiz dann auch über eine Initiative ab, die er initiert hat. Recht hat er. Heikel (oder clever) dabei nur: Herr Gutzwiller sitzt im Vorstand der oben genannten Siegfried Holding und verdient Geld mit Nikotinersatzprodukten. Politiker halt.

Wille inkl.
Alan Carrs Buch Endlich nichtrauchen habe ich zu der Zeit mal gelesen, als ich noch Raucher war. Das Buch ist gut geschrieben, hat zig amerikanische Wiederholungen drin und brachte mich schlussendlich nicht dazu, mit dem Rauchen aufzuhören. Jedoch hat es mir einen simplen Gedanken eingepflanzt, welcher es mir später ziemlich leicht gemacht hat, ohne Bedenken mit dem Rauchen aufzuhören. Nämlich der, dass man von einem Tag auf den anderen einfach aufhören kann. Dass der Körper nicht abhängig vom Rauchen ist, sondern der Kopf.
Als ich meine heutige Traumfrau zu daten begann, warf ich die Zigaretten einfach in den Müll. Ich bin danach weder implodiert noch fielen mir irgendwelche Körperteile ab. Und meine heute: wenn man mit dem Rauchen aufhören will, muss man es wollen. Und so richtig wollen kann man nur, wenn man folgende Punkte bewusst durchdacht hat:

  • was man sich und seiner Umgebung (Stichwort Bahnhof Perron) antut
  • wie viel angenehmer das Leben, Atmen, Bewegen, Treppensteigen, Küssen und morgens aufstehen ist, wenn man nicht raucht
  • wie viel Geld man sparen kann
  • wie es leichter fällt, wenn die Menschen um dich herum auch mitmachen oder dies nicht nur respektieren, sondern auch unterstützen
  • dass man nach dem Aufhören nicht zu zittern beginnt und nicht auseinander fällt
  • Rauchen ist eine Gewohnheit. Aufhören heisst auch schlagartig Gewohnheiten umzustellen. Alles andere wäre Abgewöhnen

Obwohl diese Punkte meine persönlichen Erfahrungen wiederspiegeln, glaube ich, dass sie trotzdem auch für andere gelten können. Da ich nie ein starker Raucher war (ich rauchte 3-5 Zigaretten am Tag), wurde ich wohl auch von Entzugserscheinungen verschont. Ich behaupte nicht, dass es diese nicht gibt. Doch wenn es Entzugserscheinungen gibt, dann vergehen diese wieder. Wer sie gerne länger geniessen möchte, darf sich teure Nikotinersatzprodukte kaufen. So.

Das passiert, wenn man aufhört
Wem das noch nicht reicht, hier liebe Raucher, was mit euch passieren würde, nachdem ihr die letzte Zigarette ausgedrückt habt:

  • Nach 8 Stunden: Das letzte giftige Kohlenmonoxid im Blut ist gegen Sauerstoff ausgetauscht.
  • Nach 1 Tag: Das Herzinfarktrisiko beginnt zu sinken.
  • Nach 2 Tagen: Geruchs- und Geschmackssinn verfeinern sich.
  • Nach 3 Tagen: Die Atmung verbessert sich merklich.
  • Nach 3 Monaten: Die Menge in die Lunge eingeatmeter Luft kann sich bis um ein Drittel erhöhen
  • Nach 1 Jahr: Das Risiko von Herzkranzgefässleiden hat sich halbiert.
  • Nach 2 Jahren: Das Herzinfarktrisiko hat sich fast normalisiert.
  • Nach 10 Jahren: Das Lungenkrebsrisiko entspricht fast dem von echten Nichtrauchern.
  • Nach 15 Jahren: Das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist so, als hätte man nie geraucht.

Vermutlich gäbe es noch tausend andere Gründe die dafür sprechen, mit dem Rauchen aufzuhören. Gründe, die für’s Rauchen sprechen, habe ich keine gefunden. Vorschläge?

Quellen & weiterführende Links:

(Still) on writing
Leumund: einfach nichtrauchen

I’ll Smoke When I’m Dead
sundao-naturheilpraxis.de

Veröffentlicht von: David Blum in Read
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David Blum
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