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Montag, 20. September 2010
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3 min read

Tag der offenen Herzen. Das wäre schön, schrieb ich gestern auf facebook, danach auf Twitter. Gar nicht so einfach, manchmal, solche Themen in unserer digitalen Wolke zum Leuchten zu bringen. Das Internet scheint doch lediglich fürs Liken, Links verteilen, witzig Kommentieren und über die neusten Äpfel zu schreiben dazusein. Vielleicht surfe ich auch einfach auf den falschen Wellen, dass kann sein. 

Dieses Internet
Wir sind alle für uns und gleichzeitig zusammen. Wir verknüpfen uns täglich neu via facebook, Xing, Twitter, abonnieren neue Blogs. Und hinter jedem Login steckt ein Mensch, der sich von diesem Vernetzen etwas erhofft. Einige melden sich da und dort an, weil sie beruflich mit dem Internet zu tun haben und ihre eigenen Erfahrungen sammeln möchten. Andere gucken einfach nur mal so, weil andere das auch tun, warten darauf, bis etwas passiert. Bis sie einen guten Blogbeitrag lesen, der sie mehr bewegt als erhofft. Bis sie eine neue Spontanität erleben, welche hinter Treffen steckt, die einfach via Twitter abgemacht werden, Menschen die sich vorher nie kannten und sich nur gelesen haben. Einige wissen auch plötzlich nichts mehr mit ihrem Online-Leben anzufangen und löschen ihre Accounts. Andere wiederum machen alles für etwas Bekanntheit, für Anerkennung und Zuneigung. 

Paradies für Surfer 
Internet, zu gut im in einem PDF in 10 Punkten zusammengefasst zu werden, zu tiefgründig um in einer 15 minütigen Powerpoint-Präsentation richtig einzutauchen, zu komplex um es hier mit einem annähernd gültigen Vergleich zu skizzieren - Internet, eine Verbindung der Menschheit im Jahr 2010.

Mache ich mir so Gedanken zu dieser unglaublich mächtigen Vernetzung, welche uns quasi kostenlos zur Verfügung steht, wird mir manchmal ganz warm ums Herz. Das mag komisch klingen, sitzen wir doch an unseren Computern, mal in handlicher Handyform, mal mit 30 Zoll Diagonale. Doch wir kommunizieren auf eine neue Art, der Dorfplatz hat sich in die Wolken verlagert. Nicht nur. Doch für Viele von uns ist er der Ort, wo wir uns täglich treffen, austauschen, uns necken, jammern, witzeln, Komplimente machen, uns um andere Sorgen, tratschen und ohne Zweifel alle irgendwie miteinander mehr verbunden sind, als wir uns das vielleicht bewusst sind.

Von wegen Belanglosigkeit
Ich habe über dieses Netz viele Menschen kennengelernt in den letzten zwei Jahren. Ich fand neue Freunde, ich habe mich verliebt, liess mich auf Wellen treiben, wurde untergespült, sass an der Sonne, schlich mit Anderen durch die Dunkelheit, wachte mit Freunden im Morgennebel auf, fand Antworten auf Fragen, die ich mir selbst nie gestellt hätte, wurde auch beruflich weitergetragen, stiess auf Dinge, nach denen ich selbst so nie gesucht hätte.

Doch manchmal, denke ich, wäre es an der Zeit, dass wir nicht erst an irgendwelchen Feiertagen das Fest der Liebe feiern. Sondern über unseren Schatten springen, Dinge tun, die wir eigentlich tun würden, uns aber nicht getrauen, Gefühle auch mal online zeigen, nicht nur belanglose facebook-Statusupdates schreiben, Kommentare verfassen, die vielleicht mehr von uns preisgeben als nur ein wenig Oberflächlichkeit, Mitsurfern einfach mal ehrlich ein Lob für auch nur eine Kleinigkeit aussprechen, Liebe digital mit Worten verschenken.

Vielleicht könnte heute so ein Tag sein, an dem wir beginnen, nicht nur schweigend mitzulesen, wo wir die Türe zu unseren Herzen mutig etwas öffnen, einen spaltbreit nur. Und die Macht dieser kleinen Zusatz-Herzlichkeit würde sich vereinen und uns alle ein wenig umhauen.

Vermutlich schrieb ich diesen Artikel, weil einige von euch, liebe Leser, Twitter- und Facebookfreunde, mir täglich ein wenig gut tun. Mit euren Kommentaren, Retweets, DMs und Antworten. Und vermutlich wäre es auch an der Zeit, mich bei all diesen Menschen zu bedanken und zuzugeben, dass es mir nicht nur ein wenig gut tut, sondern dass mir zwischendurch ganz warm ums Herz wird. Ab diesen Komplimenten, der Aufmerksamkeit die ich einfach so erhalte, die unsichtbare Zuneigung welche ich täglich spüre. Und vermutlich schrieb ich eben diesen Blogbeitrag nur, um es mir bewusst zu werden und diesen Gedanken weiterzugeben. Danke, von Herzen.

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