Selbstheilung – mein Portrait in der SRF-Sendung PULS

Lesezeit: 5 Minuten -  Veröffentlicht am3. Juni 2019

Heute Abend wurde die SRF-Sendung PULS mit dem Fokus-Thema «Selbstheilung» ausgestrahlt. Verschiedene Portraits von unterschiedlichen Menschen mit Krankheiten wurden gezeigt – eines dieser Portraits war über mich. Hier einige Zusatzinformationen und Richtigstellungen.

Colitis Ulcerosa

Was wie eine sauteure Rosen-Art klingt, kann man als «Chronische Darmentzündung» übersetzen. Diese Entzündung findet bei der Colitis Ulcerosa typischerweise im Dickdarm statt. Und eigentlich weiss niemand so genau warum man diese Krankheit bekommt. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen gehören in der Schweiz zu den häufigsten Erkrankungen: Eine von 350 Personen, also über 25‘000 Menschen leiden daran.

Ursprünglich war man sich sicher, dass es eine Störung des Immun-Systems ist, welches mit zuviel Abwehr den eigenen Darm angreift. Heute gibt es auch andere Theorien. Aber so wirklich einig ist man sich nicht in der klassischen Medizin.

Wenn man Colitis Ulcerosa hat, äussert sich das mit vielen Durchfällen, welche im starken Schub auch blutig sein können. Zudem hat man starke Bauch-Krämpfe und allgemein massiver Energieverlust. Kein Wunder: wenn der Darm nicht funktionert, kann der Körper auch kein Essen zu Energie verarbeiten.

Ich habe diese chronische Krankheit seit ungefähr 20 Jahren und verbrachte viel Zeit in Spitälern und noch viel mehr Zeit auf dem WC. Wenn mich meine Kinder zushause suchen, schauen sie zuerst mal im Bad nach. So war es zumindest in der Vergangenheit, aktuell bin ich auf einem spannenden Weg zur Besserung.

Selbstheilung

Im SRF Puls-Beitrag wird in meinem Portrait ein Teil dessen aufgezeigt, was ich in den letzten 11 Monaten für mich, respektive meinen Körper getan habe. Als ich im Jahr 2015 über fünf Wochen im Spital verbracht habe und knapp an einer Kolektomie-OP vorbeischlitterte, schrieb ich mir eine «Bucket-List», was ich selbst alles noch ändern wollte. Hier die Punkte auf der Liste, die ich in Angriff genommen habe und auch zusätzliche, die dazugekommen sind:

  • Arztwechsel: Ich habe meinen Magendarm-Spezialisten gewechselt. Viele wagen das nicht, es ist aber sehr wichtig, seinen Arzt zu finden
  • Abklärungen: Ich liess verschiedene Gesundheitschecks machen. Es gab einige «Wehwechen» denen ich schon lange auf den Grund gehen wollte.
  • Zahnhygiene: Ich optimierte meine Zahnhygiene und besuche regelmässg den Zahnarzt. Der Zustand der Zähne hat einen grossen Einfluss auf unsere Gesundheit.
  • Vegan: Ich habe meine Ernährung auf eine rein pflanzliche umgestellt. Die wohl wichtigste Umstellung mit vielen tollen Nebeneffekten
  • Alkohol: ich trinke keinen Alkohol mehr. Funfact: Wird von der Gesellschaft erstaunlicherweise kaum akzeptiert.
  • Bewegung: ich fahre einen Teil mit dem Fahrrad zur Arbeit und besuche 1-2 pro Woche das Fitnesstudio. Ich will kein Sixpack (naja schon), aber Bewegung ist tatsächlich gesund.
  • Minimalismus: Ich habe mein Leben mit vereinfacht. Gegenstände verlangen Aufmerksamkeit. Weniger ist mehr, tut saugut.
  • Zero Waste: Ich produziere weniger Abfall. Dazu habe ich sogar ein Projekt namens minimalwaste.ch gestartet
  • Ergänzungsnahrung: nebst B12 (wegen der veganen Ernährung) nehme vorübergehend ich ein ganzes Arsenal an Ergänzungsnahrungen zu mir (mehr dazu weiter unten).
  • Kalte Dusche: ich dusche jeden Tag eiskalt unf stärke damit mein Immunsystem. Aber auch mein Wille. Komfortzone verlassen als tägliches Training.
  • Glücks-Tagebuch: ich schreibe täglich mindestens einen Satz in mein Tagebuch und fokussiere mich auf das Positive. So bemerke ich auch kleinste Fortschritte, die mir sonst nicht auffallen würden.

Es gibt noch viele weitere Dinge, die ich in meinem Leben geändert habe. An der Beziehnung mit meiner Traumfrau versuche ich weiter zu kommen, in meiner Verantwortung als Vater von zwei grossartigen Töchtern hinterfrage ich immer wieder mein Tun und Handeln.

Was hat das mit Selbstheilung zu tun?

Die Antwort ist einfach: alles hat damit zu tun. Wir Menschen sind nicht Fremdkörper auf einem Planeten. Wir gehören alle zu einem gewaltigen System, einem Organismus. Vermutlich sind wir gerade daran, diesen Organismus kaputt zu machen. Doch das ist eine andere Geschichte.

Im SRF-Beitrag sieht man, dass die Darmspiegelung bei mir sehr gute Resultate brachte. Mein toller Spezialist Dr. Treiber freute sich auch darüber. Aus seiner Sicht sind es klar die Medikamente, die einen Erfolg zeigen. Aus meiner Sicht auch.

Trotzdem sehe ich meinen aktuell sehr guten Zustand auch als Resultat meiner Bemühungen, meinem Körper und Geist zur Selbstheilung zu verhelfen. Denn ich glaube wir Menschen sind zu komplex um lediglich mittels Medikamenten gesund gemacht werden zu können. Wir müssen da schon auch selbst was dafür tun.

Danke Schulmedizin

Ich bin sehr froh, gibt es alle diese Medikamente. Gerade die (aktuell 5!) Medikamente, die ich nehme, sind teilweise hoch komplex und deswegen (auch) sauteuer. Ich bin wahnsinnig privilegiert, gibt es in der Schweiz ein Krankenkassensystem, welches mir diese Medikamente ermöglicht. Und ich bin unheimlich froh, gibt es alle diese Spitäler und das grossartige Personal, welches zu mir geschaut hat.

Gleichzeitig habe ich für mich selbst herausgefunden, dass ich einfach nicht mehr wie ein Käfer zappelnd auf dem Rücken liegen möchte, sondern aktiv meine Gesundheit auch selbst in die Hand nehmen will.

Meine Selbstheilung

Die Liste oben enthält viele Punkte, die entweder direkt meinen Körper bei der Heilung unterstützen, indem ich beispielsweise keine tierischen Produkte oder Alkohol mehr konsumiere. Oder auch mit Ergänzungsnahrung meinem Körper die Stoffe in erhöhter Menge zur Verfügung stelle, die er braucht, um die Selbstheilung anzugehen.

Die Liste enthält aber auch Punkte, die mich als Mensch gelassener und weniger gestresst gemacht haben. Mein Kleiderschrank enthält beispielsweise nur noch meine Lieblingskleider (Minimalismus) oder ich nehme mein eigenes Essgeschirr zum Take-Away mit (Zero Waste). Ich bin auch hier erst auf einem Weg. Aber ich merke, dass es mir gut tut und dass ich mich so gut wie nie in den letzten 20 Jahren fühle. Die medizinischen Befunde unterstützen diese Tatsache.

Es mag sein, dass ich im SRF PULS-Beitrag ein wenig so rüberkomme, als hätte ich meinen Weg gefunden und würde nur noch in Unverpackt-Läden einkaufen. Das stimmt so jedoch nicht ganz: ich bin gerade erst auf die für mich richtige Strasse abgebogen und bin gespannt, was die Zukunft bringen wird.

Kein Rezept gegen alle Krankheiten

Eines ist mir jedoch ganz wichtig: obwohl ich bereits eine Weile an meinem Selbstheilungs-Projekt bin, möchte ich klarstellen, dass ich meine Bemühungen weder als Rezept für alle Krankheiten sehe, noch dass ich irgendwie die hundertprozentige Gewissheit hätte, dass ich meinen Bemühungen langfristig Erfolg haben werde. Doch ich glaube sehr fest daran, dass sich mein Körper immer mehr regenerieren kann, wenn ich ihm helfe.

Vielleicht ist ja auch etwas dabei, dass anderen kranken Menschen eine Inspiration gibt. Und wenn es nur die Tatsache ist, dass man sich viel besser fühlt, wenn man auch aktiv etwas für seine Gesundheit tut. Meine chronische Krankheit habe ich schon immer angenommen. Für mich ist sie nicht etwas, dass ich einfach so rausschneiden lassen will. Es ist nichts Fremdes in mir drin, dass ich weg haben will. Das bin ich und die Krankheit gehört zu mir. Es geht mir jetzt aber darum, von den vielen Medikamenten die Anzahl und die Dosis zu reduzieren. Wer weiss, vielleicht sogar ganz.

«Ich habe alles versucht, aber nichts hat geholfen»

Gerade wenn es ums Ausprobieren geht, sehe ich immer wieder andere Betroffene, die erzählen sie hätten schon ganz viel ausprobiert. Auch vegan hätten sie sich schon ernährt, ganze drei Wochen lang. Oder meditiert. Einen Monat lang. Aber geholfen habe es nichts.

Ich finde es erstaunlich, dass Menschen seit Jahren oder Jahrzenten krank sind und dann erwarten, dass sie in zwei Wochen Resultate sehen können. Ich bin jetzt knapp ein Jahr mit meinem Experiment dran und würde noch nicht mal jetzt behaupten, dass meine Versuche beendet sind. Im Gegenteil: ich bin vermutlich im Jahr eins von 10.

Es braucht viel Kraft und Wille, an sich und seiner Gesundheit zu arbeiten. Gerade wenn man stark krank ist, hat man die Energie einfach nicht, sich aufzurappeln. Abfall zu reduzieren ist einem in solchen Momenten vielleicht irgendwo zwischen egal und unwichtig. Aber was man tun kann: eine Liste schreiben mit all den Dingen, die man längst hätte tun sollen und wollen. Und wenn man dann wieder etwas mehr Energie hat, einfach Schritt für Schritt die Liste angehen und merken, wieviel doch in unseren eigenen Händen liegt und wieviel wir selbst erreichen können.

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Weitere Informationen zu Colitis und Crohn findest du auf der Website des Verbandes Crohn Colitis Schweiz.

Veröffentlicht von: David Blum in Read
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