Bilderklau digital
Wurde früher ein Bild gestohlen, war es weg. Wird heute ein Bild gestohlen, ist es trotzdem noch da. Und keiner merkt’s. Ein digitaler Krimi.
tl;dr-> (wer keine Zeit hat, der scrollt zum «Fazit»).
Angenommen, man würde auch heute noch merken, wenn ein Bild gestohlen wurde. Angenommen Du wärst die Person, die bestohlen wurde. Du würdest deinen Instagram- oder Flickr-Account öffnen und in deinem persönlichen Stream würde ein Foto fehlen. Es klafft eine Lücke, leicht verblasst sieht man noch die Fläche, wo das Bild einmal war, eingebrannt vom UV-Licht der Sonne. So ungefähr würde man heute einen Bildraub feststellen, wenn alles noch so wäre wie früher.
Bilder zu kopieren und weiterzuverwenden war damals eine grosse Kunst und der Fälscher musste technisch mindestens so gut wie der Urheber des Originals sein. Spätestens mit dem Einzug des Computers war das Kopieren eines Bildes bald kaum mehr einen Mausklick entfernt.
Aufgrund einer Häufung von Bildklau-Fällen in meinem digitalen Umfeld wollte ich dieses Thema etwas durchleuchten und habe ein paar Fälle gesammelt. Ready? Los geht’s mit einem leicht durchgeknallten Hotelier aus Gstaad:
Der Fall mit dem Arnensee 
Mein Lieblingshotelier und Zigarrenraucher Thomas Frei unternimmt mit seinen Hotelgästen Wanderungen. Damit ihm dabei nicht allzu langweilig wird, fotografiert er hie und da einen kitschigen Bergsee für seine Hotel-Fanpage und den dazugehörigen Flickr-Account (was er übrigens hervorragend gut macht). Vor ein paar Wochen staunte er nicht schlecht, als plötzlich ein Foto aus seiner Sammlung die Bund-Titelseite der SonntagsZeitung zierte. Ich fragte Thomas, wie er denn darauf aufmerksam geworden ist:
«Indem ich mein Bild in der Zeitung sah. Zuerst schrie ich in meinem Innern: umgotteswillen, was ist das denn für eine grottenschlechtes Foto. Und erst noch in dieser Grösse. Da schaute ich bei der Bildlegende, was dies für ein hundsmiserabler Fotograf ist. Nicht, dass ich den für mein Hotel engagiere. Ich las, Thomas Frei. Hä komisch, der heisst ja gleich wie ich. Dann dachte ich, der heisst gleich und fotografiert den Arnensee genau von der selben Perspektive, von welcher ich immer den Arnensee fotografiere. Aber Hallo, der heisst gleich, gleiche Stelle… das wird doch nicht… Tammisiech. Was für ein wunderbares Foto!»
Ich lachte. Als ich nach ein paar Stunden damit aufgehört hatte und ihn dann fragte, was er anschliessend unternommen hat, sprudelte es wie frisches Quellwasser aus ihm heraus:
«Zuerst schüttelte ich meine Frau – es war gegen 05:05 Uhr am Sonntag Morgen – eben, ich schüttelte sie so, bis mir in den Sinn kam, das sie ja gar nicht weiss, wieso ich sie schüttle. Ich hörte dann auf. Sie schrie mich an, wieso ich sie in aller Herrgottsfrühe schüttle. Da ich keine Antwort fand, stellte ich mich schlafend, worauf sie mich schüttelte. [..] Als ich wieder bei Sinnen war, telefonierte ich dem Marcus G., ein Freund von mir und Profi. Fotograf. Er sagte mir, ich solle 400 Stutz verlangen. Dann legte ich das mal auf Twitter, worauf sich einen Haufen Menschen meldeten und mir gute Tipps gaben, mich retweeteten und und und rund. Dann meldete sich die besagte SonntagsZeitung, dass sie sich mit ihrer Bildredaktion in Kontakt setzen würden und im Anschluss auf mich zukämen. Sie kamen auf mich zu, entschuldigten sich, sagten, dass es eine Grauzone wäre, sie erstaunt gewesen sei, dass das Bild in grosser Auflösung auf Flickr sei, sie aber 190.— bezahlen würden. Kurz alles freundlich und gefühlvoll vonstatten gegangen.»
Obwohl ich natürlich ob Thomas Antwort erneut schmunzeln musste, warf sich mir zugleich die Frage auf: Was, wenn Thomas das gar nie bemerkt hätte? Was, wenn die 190’000 gedruckten Exemplare mit Thomas tollem Foto vom Arnensee einfach so verkauft worden wären, ohne die 190.– Franken beglichen zu haben. Und: ist es fair, ein übliches Bildhonorar im Nachhinein zu bezahlen, wenn der Urheber es bemerkt hat? Ich hakte bei Thomas nochmals nach, ob denn dieser Bilderklau bei ihm nicht ein ungutes Gefühl hinterlassen habe:

«Es ist heute einfach so, dass man in diesem Netz alles und jeden findet. Damit muss man leben. Ob man will oder nicht, ob das rechtens ist oder nicht. Und ob das fair ist oder nicht. Es ist so.»


Der Fall, der nicht in 20 Minuten geschrieben war

Der nächste Fall. Jeremy Kunz hat sein Leben auf den Kopf gestellt, hat seinen Traum verwirklicht und ist Reiseblogger geworden. Er bloggt dabei so gut, dass 20 Minuten bei ihm nicht nur unbemerkt ein Bild klaute, sondern auch gleich den ganzen Textbeitrag. Via Twitter schrieb Jeremy die auflagestärkste Zeitung der Schweiz an und bekam erstmal keine Antwort. Doch sein Tweet wurde so oft retweetet, dass sich 20 Minuten per Mail bei Jeremy meldete – mit einer Ausrede. Man habe das Blogsystem testen wollen und dummerweise den Beitrag danach nicht mehr gelöscht. Sehr witzig. Jeremy meinte dazu:
«Vorher fand ich es frech, jetzt fand ich das Vorgehen von Tamedia einfach nur noch peinlich. Die Antwort fand ich so frech, das ich mich nicht mehr weiter mit Tamedia, sondern mit einem Anwalt bei Kellerhals Anwälte beschäftigt habe und Tamedia gezwungen wurde, neben einer finanziellen Entschädigung zu zahlen auch meinen Blog in der Zeitung zu promoten.»
Früher nutzte Jeremy ein dezentes Wasserzeichen in seinen Bildern, heute mag er keine weiteren Vorkehrungen gegen allfälligen Bilderklau betreiben.

«Mir war es bis jetzt zu doof, mich mit solchen negativen Dingen auseinanderzusetzen und konzentriere mich lieber auf diejenigen, die meine Artikel und Bilder offiziell lizenzieren. Wenn ich eine Urheberrechtsverletzung feststelle, gehe ich dafür um so strikter dagegen vor.»

Mittlerweile musste er bereits fünf mal wegen Urheberrechtsverletzung reagieren und meint unterdessen auch, dass hinter diesen Fällen schlichtweg Kalkül steckt: man hofft einfach mal, dass man nicht entdeckt wird. Mindestens das doppelte Bildhonorar verlangt Jeremy, wenn ein Bild «nachträglich» lizenziert wird. Ist man damit nicht einverstanden, darf man zusätzlich noch die Kosten seines Anwalts plus Kosten für seine Aufwände tragen.
Der Fall mit dem Wein 

Patrick Vuithier verkauft Wein. Auch im Internet. Und da sein Online-Shop nebst Beschrieben zu den Weinen auch Fotos enthält, fotografiert er diese auch gleich mit viel Aufwand selbst. Seine Bilder versieht er mittels einer Software mit einem digitalen Wasserzeichen. Präventiv:

«Das Plugin für die Bildbearbeitungssoftware hinterlegt im Bild ein für Laien nahezu unsichtbares Wasserzeichen, welches nur bei genauem Hinsehen als Muster erkennbar ist. Die meisten Entdeckungen machen wir zufällig beim surfen oder beim Preisvergleich, denn wir erkennen unsere Bilder aufgrund der Studiobeleuchtung sofort. Oder eben die Software meldet, wenn jemand ein Bild von uns im Internet verwendet. Am wenigsten Hemmungen haben Privatpersonen, die bedienen sich für ihre Auktionen gleich an Text und Bild.»

Wie reagieren solche Firmen, wenn sie von Patrick angeschrieben werden?
«Wenn wir solche ‘Piraten’ darauf ansprechen, ziehen die Meisten das Ganze ins Lächerliche und sehen den Bilderdiebstahl als Bagatelle; ein Mitbewerber meinte einmal lakonisch, ob wir denn nichts besseres zu tun hätten, als die Websites der Mitbewerber zu besuchen. Bilder- und Textdiebstahl sehen wir nicht als Kavaliersdelikt, im Gegenteil, wir nehmen uns viel Zeit und investieren Geld, haben ein professionelles Studio eingerichtet und bearbeiten die Fotos. 
Nach dem Auffinden des Bildmaterials hat ein Webseitenbetreiber 24 Stunden Zeit, das Bild zu entfernen, was meist gut klappt. Wenn der Verursacher nicht einlenkt, beauftragen wir unsere Anwälte. In Deutschland ist das Bewusstsein für Urheberrechte klarer, denn es wird sofort abgemahnt von Anwaltskanzleien und es geht meist gleich um viel Geld. Persönlich bin ich kein Freund von Abmahnungen, weil diese oft wellenartig und meist sehr fragwürdig auftauchen.»
Es scheint so, als wäre Patrick Vuithier also recht gut ausgerüstet und ein alter Hase, was die Prävention und die Abhandlung von Bilderklau anbelangt. Noch ein Beispiel gefällig?
Der Fall mit der Schweizer Garde 

Gabriel Giger absolvierte mit mir die Grafiker-Klasse an der Kunstgewerbeschule in Bern. Bereits damals zeichnete er Comic-Strips. Heute zeichnet er erfolgreich Cartoons für den Walliser Boten und sorgt auch auf seiner Facebook-Seite immer wieder für ein Schmunzeln. Zur diesjährigen WM zeichnete er ein passendes Sujet, bei dem sich die Schweizer Garde vor dem Fernseher amüsiert und im Hintergrund der grollende Argentinische Papst Franziskus. Ein Volltreffer, von welchem selbst der offizielle Twitter-Account des Vatikans (99’000 Follower) nicht seine Hände lassen konnte (Tweet).
Natürlich ohne Credits anzugeben oder bei Gabriel um Erlaubnis zu bitten. Kurze Zeit später fand sich der Cartoon auch auf 9Gag wieder – wieder ohne Credits für Gabriel. Offenbar hatte auch der bekannte Deutsche Cartoonist Ralph Ruthe gleiche Probleme mit 9Gag.

«Einerseits ist man froh, dass soviele Leute meine Arbeit gesehen haben und „liken“, anderseits denkt man sich… WTF. Besonders bei 9gag, die ja mit geklauten Bildern Geld verdienen und nicht mal meinen Namen oder Link erwähnen.»

Auch bei Gabriel hinterlässt der Bildklau-Fall kein gutes Gefühl.
Der letzte Fall mit den Reisebildern 

Anita Brechbühl ist Travelbloggerin und macht grossartige Fotos, mit denen sie ihre Reiseberichte illustriert. Und natürlich werden auch ihre Bilder irgendwo weiterverwendet (z.B. auch auf 9Gag.com), ohne dass sie es jemals erfahren hat. Wenige Fälle hat sie überhaupt bemerkt:

«In früheren Fällen war es purer Zufall. Plötzlich bin ich meinem Bild auf Google+ begegnet und habe bemerkt, dass es nicht geteilt sondern ohne Credits erneut gepostet wurde. Das Gleiche auf Pinterest und Twitter. Teilweise wurden Bilder aus Tweets ohne Links auf Pinterest Boards geteilt oder Instagram Bilder mit anderen Accounts automatisch und ohne korrekte Namensnennung getweetet. Die aktuellen Fälle habe ich einerseits dank Plaghunter (kostenloses Profil für bis zu 5 Bilder) und Google-Bildersuche entdeckt.»

Anita verdient nebenbei ihr Geld mit Reisen und darüber bloggen. Ich fragte sie, wie hoch denn eine Entschädigung in solchen Bildklau-Fällen sein sollte:
«Schwierig… Es kommt extrem darauf an, mit wem ich es zu tun habe. Einem ausländischen Unternehmen eine Rechnung schicken ist wohl ein hoffnungsloses Unterfangen - und wie will man die wilde Verbreitung (wenn das Bild ohne Credit auf Facebook x-mal geteilt wurde) beziffern? Eine Busse würde sicher präventiv wirken, aber die effektive Umsetzung (und der zeitliche Aufwand, um das Geld einzutreiben) beurteile ich als schwierig.»
Beziehungsstatus zum Thema Bildklau: es ist kompliziert Ich könnte euch an dieser Stelle noch viel mehr Fälle und viele (auch hilflose) Aussagen zum Thema Bildklau erzählen. Unzählige Mails gingen nach meinem Aufruf via Twitter / Facebook / G+ ein (danke an Claudio, Jürg, Manuel, Heiko, Yves und allen Anderen, die mir Bilderklau-Fälle geschickt haben!). Ich selbst habe auch schon ähnliche Erfahrungen gemacht (die Website meiner damaligen Agentur frühjahr wurde mehrmals kopiert - inklusive selbst geschossenem Bildmaterial). Das ist allerdings länger her. Heute rege ich mich umsomehr auf, wenn Bilder für kommerzielle Zwecke geklaut werden.
Warum drucken Zeitungen nicht sauber lizenziertes Bildmaterial ab? Wieviel kann ich in Rechnung stellen, wenn mein Bild geklaut wurde? Was kann ich vorbeugend dagegen tun? Da ich ratlos war, liess ich mir helfen. Von einem Rechts-Profi:
Tipps vom Anwalt 

Martin Steiger ist Rechtsanwalt und berät in rechtlichen Angelegenheiten im digitalen Raum mit Schwerpunkten im IT-, Immaterialgüter- und Medienrecht. Zuerst fragte ich ihn, wie er das Thema Bilderklau im Schweizer Pressewald aus seiner Erfahrung einschätze:

«Urheberrechtsverletzungen sind in der Schweiz in Medien – gerade auch online – alltäglich. Quellenangaben wie ‘Internet’ oder ‘YouTube’ sind regelmässig anzutreffen. Ich vermute, zwei Gründe stehen im Vordergrund: Einerseits Bequemlichkeit, andererseits die Erfahrung, dass sich Betroffene kaum je zur Wehr setzen – was übrigens auch bei anderen Rechtsverletzungen durch Medien gilt.»

Natürlich stieg ich danach sofort auf die Frage ein, welche mich am meisten interessierte: kann ich mich in der Schweiz mit einer Angabe von z.B. Creative Commons genügend rechtlich schützen?
«In jedem Fall gelten Creative Commons-Lizenzen auch in der Schweiz und man kann beispielsweise bei der Verwendung des NC-Bausteins gegen eine kommerzielle Verwendung rechtlich vorgehen. Bei Flickr ist zu beachten, dass die verfügbaren Creative Commons-2.0-Lizenzversionen leider veraltet sind. Man sollte nach Möglichkeit die aktuellen Creative Commons-4.0-Lizenzversionen verwenden. NC ist bei Creative Commons-Lizenzen häufig keine gute Idee und SA ist üblicherweise wirkungsvoller (siehe dazu Blogpost Creative Commons: Was gilt als nicht kommerziell?).»
Haueja, dachte ich. Muss ich mich wirklich mit diesen Creative Commons Dings rumschlagen? Reicht denn nicht ein einfaches © Copyright und gut ist?
«Bei der Veröffentlichung von Bildern sollte man einen Copyright-Hinweis anbringen, auch wenn das Copyright eigentlich ein anglo-amerikanisches Konzept ist. Aber man signalisiert damit deutlich, dass ein Bild urheberrechtlich geschützt ist. Verwendungen, die man ausdrücklich erlauben möchte, sollte man deutlich darstellen, beispielsweise mit den gängigen Symbolen für Creative Commons-Lizenzen. Und sofern man seine Bilder kommerziell verwerten möchte, sollte man auch dafür direkt eine Möglichkeit anbieten. Bei der Lizenzierung von eigenen Bildern ist wichtig darauf zu bestehen, dass man als Urheber genannt wird.»
Das klingt also bereits einfacher. Abschliessend wollte ich von Martin dann natürlich noch wissen, was er als Rechtsanwalt empfiehlt zu tun, wenn man einen Bilderklau bemerkt hat und wieviel man denn verlangen kann:

«Nicht autorisierte Nutzungen sollte man abmahnen und dabei in einem ersten Schritt Auskunft verlangen, in welchem Rahmen (Wofür? Wie lange?) die Nutzung erfolgt ist. Aufgrund dieser Auskunft, auf die ein Rechtsanspruch besteht, kann man dann Rechnung stellen. Dabei kann man sich an den Empfehlungen von Branchenverbänden orientieren – gängig sind die SAB-Preisempfehlungen für Bildhonorare – oder auf eigene, bestehende Preislisten verweisen. Wichtig ist, dass diese Preislisten nicht nur pro forma bestehen, sondern auch tatsächlich entsprechende Lizenzierungsmöglichkeiten bestanden.
Ein so genannter Verletzerzuschlag, wie man ihn beispielsweise in Deutschland kennt, wäre angemessen, wurde vom Bundesgericht bislang aber nicht anerkannt. Man kann aber beispielsweise eigene Kosten für den notwendigen Beizug eines Rechtsanwalts als Schadenersatz in Rechnung stellen. Daneben besteht bei Urheberrechtsverletzungen immer auch auch die Möglichkeit, Strafanzeige beziehungsweise Strafantrag zu stellen.»

Wow. So wie es also aussieht, ist man gar nicht so chancenlos, wenn einem Ruhm und Ehre mal nicht ganz reicht. Natürlich muss man abwägen, ob man denn diesen Schritt in einem Einzelfall gehen oder ob man sich den Ärger ersparen will. Denn manchmal kommt man auch ganz gut weg, wenn man mit z.B. einer Zeitung verhandeln kann.
Beispiel Blick am Abend Aus meiner Sicht versucht das Ringier-Blatt Blick am Abend zumindest, wo möglich saubere Credits zu geben oder Bilder zu lizenzieren. Bei mehreren Tausend verwendeten Bilder pro Tag nicht immer ein Leichtes. Doch gemäss meinem kurzen Telefon-Interview mit dem Stv. Chefredaktor Thomas Benkö tut die Bildredaktion ihr Mögliches, um eine korrekte Verwendung der Bilder zu gewährleisten. Es gäbe erfreulicherweise sehr wenig Fälle, bei denen ein Bild nicht vollumfäglich lizenziert oder die Credits abgeklärt werden konnten. Wenn aber mal ein solcher Fehler passiert, gilt bei BaA die Faustregel, dass man nicht nach Ausreden sucht, sondern nachträglich ein übliches Bildhonorar in doppelter Höhe auszahlt.
Fazit (tl;dr) Bilder werden jeden Tag in Unmengen geklaut, kopiert und neu veröffentlicht. Die meisten Fälle bleiben wohl unentdeckt. Denn selbst Wasserzeichen lassen sich einfach entfernen. Eine Art unknackbaren digitalen Schutz für Bilder gibt es (noch) nicht. Man kann aber präventiv viel tun, um einen Bilderklau schwierig und mühsamer zu gestalten (siehe nachfolgende Liste ‘vermeiden’). Hat man also vorgesorgt, bleibt der zweite Schritt: wie man gestohlene Bilder wiederfindet (siehe ‘bemerken’). Entdeckt man dann am Tag X, dass ein Foto unlizenziert verwendet wurde, hat man durchaus gute Möglichkeiten, dass man dafür entschädigt wird (‘reagieren’).
Das Bildautoren ABC 
a) vermeiden
Lade deine Bilder so klein (Breite x Höhe) wie möglich hoch. So bist Du schon mal für einen grossen Teil der Bilderdiebe unattraktiv.
Versehe deine Bilder mit einem Wasserzeichen / Signatur (Bsp. ‘© David Blum’).
Versehe deine Bilder mit möglichst wenigen durchsuchbaren Attributen wie Bildname, Tags, Geokoordinaten etc.
Hinterlege deinen Bildern auch ein unsichtbares Wasserzeichen wie z.B. mit digimarc.com (kostenpflichtig).
Willst Du eine Nutzung zulassen, generiere die passende Creative Commons Lizenz zu deinen Bildern.
b) bemerken
Suche mittels einer Rückwärtsbildsuche wie z.B. Google oder Tineye manuell nach Bildern, die du ins Netz gestellt hast.
Nutze für eine automatische Suche Tools wie z.B. plaghunter.com (5 Bilder kostenlos).
Tracke deine mit Digimarc versehenen Bilder via digimarc.com.
c) reagieren
Auskunft verlangen, in welchem Rahmen (Wofür? Wie lange?) die Nutzung erfolgt ist (falls nicht offensichtlich).
Aufgrund dieser Auskunft, auf die ein Rechtsanspruch besteht, kann man dann Rechnung stellen (so genannter Verletzerzuschlag, also Mehrkosten für Lizenzieren im Nachhinenin, gibt es leider noch nicht in der Schweiz). Preis kann sich z.B. an Empfehlungen von Branchenverbänden orientieren – gängig sind die SAB-Preisempfehlungen für Bildhonorare.
Man kann aber beispielsweise eigene Kosten für den notwendigen Beizug eines Rechtsanwalts als Schadenersatz in Rechnung stellen.
Daneben besteht bei Urheberrechtsverletzungen immer auch die Möglichkeit, Strafanzeige beziehungsweise Strafantrag zu stellen.
Wieviel Aufwand man betreiben will, sei jedem selbst überlassen. Die rechtliche Lage ist nun jedoch klar: solange Du es nicht explizit erlaubst, darf keines deiner Bilder ohne deine Einwilligung oder gezahltem Bildhonorar verwendet werden. Und wem das alles egal ist und auch kein Geld dafür sehen möchte: stellt seine Bilder entsprechend gekennzeichnet ins Netz - Publizisten wird es freuen. 
Bilderklau digital
Wurde früher ein Bild gestohlen, war es weg. Wird heute ein Bild gestohlen, ist es trotzdem noch da. Und keiner merkt’s. Ein digitaler Krimi.
tl;dr-> (wer keine Zeit hat, der scrollt zum «Fazit»).
Angenommen, man würde auch heute noch merken, wenn ein Bild gestohlen wurde. Angenommen Du wärst die Person, die bestohlen wurde. Du würdest deinen Instagram- oder Flickr-Account öffnen und in deinem persönlichen Stream würde ein Foto fehlen. Es klafft eine Lücke, leicht verblasst sieht man noch die Fläche, wo das Bild einmal war, eingebrannt vom UV-Licht der Sonne. So ungefähr würde man heute einen Bildraub feststellen, wenn alles noch so wäre wie früher.
Bilder zu kopieren und weiterzuverwenden war damals eine grosse Kunst und der Fälscher musste technisch mindestens so gut wie der Urheber des Originals sein. Spätestens mit dem Einzug des Computers war das Kopieren eines Bildes bald kaum mehr einen Mausklick entfernt.
Aufgrund einer Häufung von Bildklau-Fällen in meinem digitalen Umfeld wollte ich dieses Thema etwas durchleuchten und habe ein paar Fälle gesammelt. Ready? Los geht’s mit einem leicht durchgeknallten Hotelier aus Gstaad:
Der Fall mit dem Arnensee 
Mein Lieblingshotelier und Zigarrenraucher Thomas Frei unternimmt mit seinen Hotelgästen Wanderungen. Damit ihm dabei nicht allzu langweilig wird, fotografiert er hie und da einen kitschigen Bergsee für seine Hotel-Fanpage und den dazugehörigen Flickr-Account (was er übrigens hervorragend gut macht). Vor ein paar Wochen staunte er nicht schlecht, als plötzlich ein Foto aus seiner Sammlung die Bund-Titelseite der SonntagsZeitung zierte. Ich fragte Thomas, wie er denn darauf aufmerksam geworden ist:
«Indem ich mein Bild in der Zeitung sah. Zuerst schrie ich in meinem Innern: umgotteswillen, was ist das denn für eine grottenschlechtes Foto. Und erst noch in dieser Grösse. Da schaute ich bei der Bildlegende, was dies für ein hundsmiserabler Fotograf ist. Nicht, dass ich den für mein Hotel engagiere. Ich las, Thomas Frei. Hä komisch, der heisst ja gleich wie ich. Dann dachte ich, der heisst gleich und fotografiert den Arnensee genau von der selben Perspektive, von welcher ich immer den Arnensee fotografiere. Aber Hallo, der heisst gleich, gleiche Stelle… das wird doch nicht… Tammisiech. Was für ein wunderbares Foto!»
Ich lachte. Als ich nach ein paar Stunden damit aufgehört hatte und ihn dann fragte, was er anschliessend unternommen hat, sprudelte es wie frisches Quellwasser aus ihm heraus:
«Zuerst schüttelte ich meine Frau – es war gegen 05:05 Uhr am Sonntag Morgen – eben, ich schüttelte sie so, bis mir in den Sinn kam, das sie ja gar nicht weiss, wieso ich sie schüttle. Ich hörte dann auf. Sie schrie mich an, wieso ich sie in aller Herrgottsfrühe schüttle. Da ich keine Antwort fand, stellte ich mich schlafend, worauf sie mich schüttelte. [..] Als ich wieder bei Sinnen war, telefonierte ich dem Marcus G., ein Freund von mir und Profi. Fotograf. Er sagte mir, ich solle 400 Stutz verlangen. Dann legte ich das mal auf Twitter, worauf sich einen Haufen Menschen meldeten und mir gute Tipps gaben, mich retweeteten und und und rund. Dann meldete sich die besagte SonntagsZeitung, dass sie sich mit ihrer Bildredaktion in Kontakt setzen würden und im Anschluss auf mich zukämen. Sie kamen auf mich zu, entschuldigten sich, sagten, dass es eine Grauzone wäre, sie erstaunt gewesen sei, dass das Bild in grosser Auflösung auf Flickr sei, sie aber 190.— bezahlen würden. Kurz alles freundlich und gefühlvoll vonstatten gegangen.»
Obwohl ich natürlich ob Thomas Antwort erneut schmunzeln musste, warf sich mir zugleich die Frage auf: Was, wenn Thomas das gar nie bemerkt hätte? Was, wenn die 190’000 gedruckten Exemplare mit Thomas tollem Foto vom Arnensee einfach so verkauft worden wären, ohne die 190.– Franken beglichen zu haben. Und: ist es fair, ein übliches Bildhonorar im Nachhinein zu bezahlen, wenn der Urheber es bemerkt hat? Ich hakte bei Thomas nochmals nach, ob denn dieser Bilderklau bei ihm nicht ein ungutes Gefühl hinterlassen habe:

«Es ist heute einfach so, dass man in diesem Netz alles und jeden findet. Damit muss man leben. Ob man will oder nicht, ob das rechtens ist oder nicht. Und ob das fair ist oder nicht. Es ist so.»


Der Fall, der nicht in 20 Minuten geschrieben war

Der nächste Fall. Jeremy Kunz hat sein Leben auf den Kopf gestellt, hat seinen Traum verwirklicht und ist Reiseblogger geworden. Er bloggt dabei so gut, dass 20 Minuten bei ihm nicht nur unbemerkt ein Bild klaute, sondern auch gleich den ganzen Textbeitrag. Via Twitter schrieb Jeremy die auflagestärkste Zeitung der Schweiz an und bekam erstmal keine Antwort. Doch sein Tweet wurde so oft retweetet, dass sich 20 Minuten per Mail bei Jeremy meldete – mit einer Ausrede. Man habe das Blogsystem testen wollen und dummerweise den Beitrag danach nicht mehr gelöscht. Sehr witzig. Jeremy meinte dazu:
«Vorher fand ich es frech, jetzt fand ich das Vorgehen von Tamedia einfach nur noch peinlich. Die Antwort fand ich so frech, das ich mich nicht mehr weiter mit Tamedia, sondern mit einem Anwalt bei Kellerhals Anwälte beschäftigt habe und Tamedia gezwungen wurde, neben einer finanziellen Entschädigung zu zahlen auch meinen Blog in der Zeitung zu promoten.»
Früher nutzte Jeremy ein dezentes Wasserzeichen in seinen Bildern, heute mag er keine weiteren Vorkehrungen gegen allfälligen Bilderklau betreiben.

«Mir war es bis jetzt zu doof, mich mit solchen negativen Dingen auseinanderzusetzen und konzentriere mich lieber auf diejenigen, die meine Artikel und Bilder offiziell lizenzieren. Wenn ich eine Urheberrechtsverletzung feststelle, gehe ich dafür um so strikter dagegen vor.»

Mittlerweile musste er bereits fünf mal wegen Urheberrechtsverletzung reagieren und meint unterdessen auch, dass hinter diesen Fällen schlichtweg Kalkül steckt: man hofft einfach mal, dass man nicht entdeckt wird. Mindestens das doppelte Bildhonorar verlangt Jeremy, wenn ein Bild «nachträglich» lizenziert wird. Ist man damit nicht einverstanden, darf man zusätzlich noch die Kosten seines Anwalts plus Kosten für seine Aufwände tragen.
Der Fall mit dem Wein 

Patrick Vuithier verkauft Wein. Auch im Internet. Und da sein Online-Shop nebst Beschrieben zu den Weinen auch Fotos enthält, fotografiert er diese auch gleich mit viel Aufwand selbst. Seine Bilder versieht er mittels einer Software mit einem digitalen Wasserzeichen. Präventiv:

«Das Plugin für die Bildbearbeitungssoftware hinterlegt im Bild ein für Laien nahezu unsichtbares Wasserzeichen, welches nur bei genauem Hinsehen als Muster erkennbar ist. Die meisten Entdeckungen machen wir zufällig beim surfen oder beim Preisvergleich, denn wir erkennen unsere Bilder aufgrund der Studiobeleuchtung sofort. Oder eben die Software meldet, wenn jemand ein Bild von uns im Internet verwendet. Am wenigsten Hemmungen haben Privatpersonen, die bedienen sich für ihre Auktionen gleich an Text und Bild.»

Wie reagieren solche Firmen, wenn sie von Patrick angeschrieben werden?
«Wenn wir solche ‘Piraten’ darauf ansprechen, ziehen die Meisten das Ganze ins Lächerliche und sehen den Bilderdiebstahl als Bagatelle; ein Mitbewerber meinte einmal lakonisch, ob wir denn nichts besseres zu tun hätten, als die Websites der Mitbewerber zu besuchen. Bilder- und Textdiebstahl sehen wir nicht als Kavaliersdelikt, im Gegenteil, wir nehmen uns viel Zeit und investieren Geld, haben ein professionelles Studio eingerichtet und bearbeiten die Fotos. 
Nach dem Auffinden des Bildmaterials hat ein Webseitenbetreiber 24 Stunden Zeit, das Bild zu entfernen, was meist gut klappt. Wenn der Verursacher nicht einlenkt, beauftragen wir unsere Anwälte. In Deutschland ist das Bewusstsein für Urheberrechte klarer, denn es wird sofort abgemahnt von Anwaltskanzleien und es geht meist gleich um viel Geld. Persönlich bin ich kein Freund von Abmahnungen, weil diese oft wellenartig und meist sehr fragwürdig auftauchen.»
Es scheint so, als wäre Patrick Vuithier also recht gut ausgerüstet und ein alter Hase, was die Prävention und die Abhandlung von Bilderklau anbelangt. Noch ein Beispiel gefällig?
Der Fall mit der Schweizer Garde 

Gabriel Giger absolvierte mit mir die Grafiker-Klasse an der Kunstgewerbeschule in Bern. Bereits damals zeichnete er Comic-Strips. Heute zeichnet er erfolgreich Cartoons für den Walliser Boten und sorgt auch auf seiner Facebook-Seite immer wieder für ein Schmunzeln. Zur diesjährigen WM zeichnete er ein passendes Sujet, bei dem sich die Schweizer Garde vor dem Fernseher amüsiert und im Hintergrund der grollende Argentinische Papst Franziskus. Ein Volltreffer, von welchem selbst der offizielle Twitter-Account des Vatikans (99’000 Follower) nicht seine Hände lassen konnte (Tweet).
Natürlich ohne Credits anzugeben oder bei Gabriel um Erlaubnis zu bitten. Kurze Zeit später fand sich der Cartoon auch auf 9Gag wieder – wieder ohne Credits für Gabriel. Offenbar hatte auch der bekannte Deutsche Cartoonist Ralph Ruthe gleiche Probleme mit 9Gag.

«Einerseits ist man froh, dass soviele Leute meine Arbeit gesehen haben und „liken“, anderseits denkt man sich… WTF. Besonders bei 9gag, die ja mit geklauten Bildern Geld verdienen und nicht mal meinen Namen oder Link erwähnen.»

Auch bei Gabriel hinterlässt der Bildklau-Fall kein gutes Gefühl.
Der letzte Fall mit den Reisebildern 

Anita Brechbühl ist Travelbloggerin und macht grossartige Fotos, mit denen sie ihre Reiseberichte illustriert. Und natürlich werden auch ihre Bilder irgendwo weiterverwendet (z.B. auch auf 9Gag.com), ohne dass sie es jemals erfahren hat. Wenige Fälle hat sie überhaupt bemerkt:

«In früheren Fällen war es purer Zufall. Plötzlich bin ich meinem Bild auf Google+ begegnet und habe bemerkt, dass es nicht geteilt sondern ohne Credits erneut gepostet wurde. Das Gleiche auf Pinterest und Twitter. Teilweise wurden Bilder aus Tweets ohne Links auf Pinterest Boards geteilt oder Instagram Bilder mit anderen Accounts automatisch und ohne korrekte Namensnennung getweetet. Die aktuellen Fälle habe ich einerseits dank Plaghunter (kostenloses Profil für bis zu 5 Bilder) und Google-Bildersuche entdeckt.»

Anita verdient nebenbei ihr Geld mit Reisen und darüber bloggen. Ich fragte sie, wie hoch denn eine Entschädigung in solchen Bildklau-Fällen sein sollte:
«Schwierig… Es kommt extrem darauf an, mit wem ich es zu tun habe. Einem ausländischen Unternehmen eine Rechnung schicken ist wohl ein hoffnungsloses Unterfangen - und wie will man die wilde Verbreitung (wenn das Bild ohne Credit auf Facebook x-mal geteilt wurde) beziffern? Eine Busse würde sicher präventiv wirken, aber die effektive Umsetzung (und der zeitliche Aufwand, um das Geld einzutreiben) beurteile ich als schwierig.»
Beziehungsstatus zum Thema Bildklau: es ist kompliziert Ich könnte euch an dieser Stelle noch viel mehr Fälle und viele (auch hilflose) Aussagen zum Thema Bildklau erzählen. Unzählige Mails gingen nach meinem Aufruf via Twitter / Facebook / G+ ein (danke an Claudio, Jürg, Manuel, Heiko, Yves und allen Anderen, die mir Bilderklau-Fälle geschickt haben!). Ich selbst habe auch schon ähnliche Erfahrungen gemacht (die Website meiner damaligen Agentur frühjahr wurde mehrmals kopiert - inklusive selbst geschossenem Bildmaterial). Das ist allerdings länger her. Heute rege ich mich umsomehr auf, wenn Bilder für kommerzielle Zwecke geklaut werden.
Warum drucken Zeitungen nicht sauber lizenziertes Bildmaterial ab? Wieviel kann ich in Rechnung stellen, wenn mein Bild geklaut wurde? Was kann ich vorbeugend dagegen tun? Da ich ratlos war, liess ich mir helfen. Von einem Rechts-Profi:
Tipps vom Anwalt 

Martin Steiger ist Rechtsanwalt und berät in rechtlichen Angelegenheiten im digitalen Raum mit Schwerpunkten im IT-, Immaterialgüter- und Medienrecht. Zuerst fragte ich ihn, wie er das Thema Bilderklau im Schweizer Pressewald aus seiner Erfahrung einschätze:

«Urheberrechtsverletzungen sind in der Schweiz in Medien – gerade auch online – alltäglich. Quellenangaben wie ‘Internet’ oder ‘YouTube’ sind regelmässig anzutreffen. Ich vermute, zwei Gründe stehen im Vordergrund: Einerseits Bequemlichkeit, andererseits die Erfahrung, dass sich Betroffene kaum je zur Wehr setzen – was übrigens auch bei anderen Rechtsverletzungen durch Medien gilt.»

Natürlich stieg ich danach sofort auf die Frage ein, welche mich am meisten interessierte: kann ich mich in der Schweiz mit einer Angabe von z.B. Creative Commons genügend rechtlich schützen?
«In jedem Fall gelten Creative Commons-Lizenzen auch in der Schweiz und man kann beispielsweise bei der Verwendung des NC-Bausteins gegen eine kommerzielle Verwendung rechtlich vorgehen. Bei Flickr ist zu beachten, dass die verfügbaren Creative Commons-2.0-Lizenzversionen leider veraltet sind. Man sollte nach Möglichkeit die aktuellen Creative Commons-4.0-Lizenzversionen verwenden. NC ist bei Creative Commons-Lizenzen häufig keine gute Idee und SA ist üblicherweise wirkungsvoller (siehe dazu Blogpost Creative Commons: Was gilt als nicht kommerziell?).»
Haueja, dachte ich. Muss ich mich wirklich mit diesen Creative Commons Dings rumschlagen? Reicht denn nicht ein einfaches © Copyright und gut ist?
«Bei der Veröffentlichung von Bildern sollte man einen Copyright-Hinweis anbringen, auch wenn das Copyright eigentlich ein anglo-amerikanisches Konzept ist. Aber man signalisiert damit deutlich, dass ein Bild urheberrechtlich geschützt ist. Verwendungen, die man ausdrücklich erlauben möchte, sollte man deutlich darstellen, beispielsweise mit den gängigen Symbolen für Creative Commons-Lizenzen. Und sofern man seine Bilder kommerziell verwerten möchte, sollte man auch dafür direkt eine Möglichkeit anbieten. Bei der Lizenzierung von eigenen Bildern ist wichtig darauf zu bestehen, dass man als Urheber genannt wird.»
Das klingt also bereits einfacher. Abschliessend wollte ich von Martin dann natürlich noch wissen, was er als Rechtsanwalt empfiehlt zu tun, wenn man einen Bilderklau bemerkt hat und wieviel man denn verlangen kann:

«Nicht autorisierte Nutzungen sollte man abmahnen und dabei in einem ersten Schritt Auskunft verlangen, in welchem Rahmen (Wofür? Wie lange?) die Nutzung erfolgt ist. Aufgrund dieser Auskunft, auf die ein Rechtsanspruch besteht, kann man dann Rechnung stellen. Dabei kann man sich an den Empfehlungen von Branchenverbänden orientieren – gängig sind die SAB-Preisempfehlungen für Bildhonorare – oder auf eigene, bestehende Preislisten verweisen. Wichtig ist, dass diese Preislisten nicht nur pro forma bestehen, sondern auch tatsächlich entsprechende Lizenzierungsmöglichkeiten bestanden.
Ein so genannter Verletzerzuschlag, wie man ihn beispielsweise in Deutschland kennt, wäre angemessen, wurde vom Bundesgericht bislang aber nicht anerkannt. Man kann aber beispielsweise eigene Kosten für den notwendigen Beizug eines Rechtsanwalts als Schadenersatz in Rechnung stellen. Daneben besteht bei Urheberrechtsverletzungen immer auch auch die Möglichkeit, Strafanzeige beziehungsweise Strafantrag zu stellen.»

Wow. So wie es also aussieht, ist man gar nicht so chancenlos, wenn einem Ruhm und Ehre mal nicht ganz reicht. Natürlich muss man abwägen, ob man denn diesen Schritt in einem Einzelfall gehen oder ob man sich den Ärger ersparen will. Denn manchmal kommt man auch ganz gut weg, wenn man mit z.B. einer Zeitung verhandeln kann.
Beispiel Blick am Abend Aus meiner Sicht versucht das Ringier-Blatt Blick am Abend zumindest, wo möglich saubere Credits zu geben oder Bilder zu lizenzieren. Bei mehreren Tausend verwendeten Bilder pro Tag nicht immer ein Leichtes. Doch gemäss meinem kurzen Telefon-Interview mit dem Stv. Chefredaktor Thomas Benkö tut die Bildredaktion ihr Mögliches, um eine korrekte Verwendung der Bilder zu gewährleisten. Es gäbe erfreulicherweise sehr wenig Fälle, bei denen ein Bild nicht vollumfäglich lizenziert oder die Credits abgeklärt werden konnten. Wenn aber mal ein solcher Fehler passiert, gilt bei BaA die Faustregel, dass man nicht nach Ausreden sucht, sondern nachträglich ein übliches Bildhonorar in doppelter Höhe auszahlt.
Fazit (tl;dr) Bilder werden jeden Tag in Unmengen geklaut, kopiert und neu veröffentlicht. Die meisten Fälle bleiben wohl unentdeckt. Denn selbst Wasserzeichen lassen sich einfach entfernen. Eine Art unknackbaren digitalen Schutz für Bilder gibt es (noch) nicht. Man kann aber präventiv viel tun, um einen Bilderklau schwierig und mühsamer zu gestalten (siehe nachfolgende Liste ‘vermeiden’). Hat man also vorgesorgt, bleibt der zweite Schritt: wie man gestohlene Bilder wiederfindet (siehe ‘bemerken’). Entdeckt man dann am Tag X, dass ein Foto unlizenziert verwendet wurde, hat man durchaus gute Möglichkeiten, dass man dafür entschädigt wird (‘reagieren’).
Das Bildautoren ABC 
a) vermeiden
Lade deine Bilder so klein (Breite x Höhe) wie möglich hoch. So bist Du schon mal für einen grossen Teil der Bilderdiebe unattraktiv.
Versehe deine Bilder mit einem Wasserzeichen / Signatur (Bsp. ‘© David Blum’).
Versehe deine Bilder mit möglichst wenigen durchsuchbaren Attributen wie Bildname, Tags, Geokoordinaten etc.
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Nutze für eine automatische Suche Tools wie z.B. plaghunter.com (5 Bilder kostenlos).
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c) reagieren
Auskunft verlangen, in welchem Rahmen (Wofür? Wie lange?) die Nutzung erfolgt ist (falls nicht offensichtlich).
Aufgrund dieser Auskunft, auf die ein Rechtsanspruch besteht, kann man dann Rechnung stellen (so genannter Verletzerzuschlag, also Mehrkosten für Lizenzieren im Nachhinenin, gibt es leider noch nicht in der Schweiz). Preis kann sich z.B. an Empfehlungen von Branchenverbänden orientieren – gängig sind die SAB-Preisempfehlungen für Bildhonorare.
Man kann aber beispielsweise eigene Kosten für den notwendigen Beizug eines Rechtsanwalts als Schadenersatz in Rechnung stellen.
Daneben besteht bei Urheberrechtsverletzungen immer auch die Möglichkeit, Strafanzeige beziehungsweise Strafantrag zu stellen.
Wieviel Aufwand man betreiben will, sei jedem selbst überlassen. Die rechtliche Lage ist nun jedoch klar: solange Du es nicht explizit erlaubst, darf keines deiner Bilder ohne deine Einwilligung oder gezahltem Bildhonorar verwendet werden. Und wem das alles egal ist und auch kein Geld dafür sehen möchte: stellt seine Bilder entsprechend gekennzeichnet ins Netz - Publizisten wird es freuen. 

Bilderklau digital

Wurde früher ein Bild gestohlen, war es weg. Wird heute ein Bild gestohlen, ist es trotzdem noch da. Und keiner merkt’s. Ein digitaler Krimi.

tl;dr-> (wer keine Zeit hat, der scrollt zum «Fazit»).

Angenommen, man würde auch heute noch merken, wenn ein Bild gestohlen wurde. Angenommen Du wärst die Person, die bestohlen wurde. Du würdest deinen Instagram- oder Flickr-Account öffnen und in deinem persönlichen Stream würde ein Foto fehlen. Es klafft eine Lücke, leicht verblasst sieht man noch die Fläche, wo das Bild einmal war, eingebrannt vom UV-Licht der Sonne. So ungefähr würde man heute einen Bildraub feststellen, wenn alles noch so wäre wie früher.

Bilder zu kopieren und weiterzuverwenden war damals eine grosse Kunst und der Fälscher musste technisch mindestens so gut wie der Urheber des Originals sein. Spätestens mit dem Einzug des Computers war das Kopieren eines Bildes bald kaum mehr einen Mausklick entfernt.

Aufgrund einer Häufung von Bildklau-Fällen in meinem digitalen Umfeld wollte ich dieses Thema etwas durchleuchten und habe ein paar Fälle gesammelt. Ready? Los geht’s mit einem leicht durchgeknallten Hotelier aus Gstaad:

Der Fall mit dem Arnensee 

Thomas Frei staunte nicht schlecht, als er plötzlich sein Foto in der SonntagsZeitung entdeckte

Mein Lieblingshotelier und Zigarrenraucher Thomas Frei unternimmt mit seinen Hotelgästen Wanderungen. Damit ihm dabei nicht allzu langweilig wird, fotografiert er hie und da einen kitschigen Bergsee für seine Hotel-Fanpage und den dazugehörigen Flickr-Account (was er übrigens hervorragend gut macht). Vor ein paar Wochen staunte er nicht schlecht, als plötzlich ein Foto aus seiner Sammlung die Bund-Titelseite der SonntagsZeitung zierte. Ich fragte Thomas, wie er denn darauf aufmerksam geworden ist:

«Indem ich mein Bild in der Zeitung sah. Zuerst schrie ich in meinem Innern: umgotteswillen, was ist das denn für eine grottenschlechtes Foto. Und erst noch in dieser Grösse. Da schaute ich bei der Bildlegende, was dies für ein hundsmiserabler Fotograf ist. Nicht, dass ich den für mein Hotel engagiere. Ich las, Thomas Frei. Hä komisch, der heisst ja gleich wie ich. Dann dachte ich, der heisst gleich und fotografiert den Arnensee genau von der selben Perspektive, von welcher ich immer den Arnensee fotografiere. Aber Hallo, der heisst gleich, gleiche Stelle… das wird doch nicht… Tammisiech. Was für ein wunderbares Foto!»

Ich lachte. Als ich nach ein paar Stunden damit aufgehört hatte und ihn dann fragte, was er anschliessend unternommen hat, sprudelte es wie frisches Quellwasser aus ihm heraus:

«Zuerst schüttelte ich meine Frau – es war gegen 05:05 Uhr am Sonntag Morgen – eben, ich schüttelte sie so, bis mir in den Sinn kam, das sie ja gar nicht weiss, wieso ich sie schüttle. Ich hörte dann auf. Sie schrie mich an, wieso ich sie in aller Herrgottsfrühe schüttle. Da ich keine Antwort fand, stellte ich mich schlafend, worauf sie mich schüttelte. [..] Als ich wieder bei Sinnen war, telefonierte ich dem Marcus G., ein Freund von mir und Profi. Fotograf. Er sagte mir, ich solle 400 Stutz verlangen. Dann legte ich das mal auf Twitter, worauf sich einen Haufen Menschen meldeten und mir gute Tipps gaben, mich retweeteten und und und rund. Dann meldete sich die besagte SonntagsZeitung, dass sie sich mit ihrer Bildredaktion in Kontakt setzen würden und im Anschluss auf mich zukämen. Sie kamen auf mich zu, entschuldigten sich, sagten, dass es eine Grauzone wäre, sie erstaunt gewesen sei, dass das Bild in grosser Auflösung auf Flickr sei, sie aber 190.— bezahlen würden. Kurz alles freundlich und gefühlvoll vonstatten gegangen.»

Obwohl ich natürlich ob Thomas Antwort erneut schmunzeln musste, warf sich mir zugleich die Frage auf: Was, wenn Thomas das gar nie bemerkt hätte? Was, wenn die 190’000 gedruckten Exemplare mit Thomas tollem Foto vom Arnensee einfach so verkauft worden wären, ohne die 190.– Franken beglichen zu haben. Und: ist es fair, ein übliches Bildhonorar im Nachhinein zu bezahlen, wenn der Urheber es bemerkt hat? Ich hakte bei Thomas nochmals nach, ob denn dieser Bilderklau bei ihm nicht ein ungutes Gefühl hinterlassen habe:

«Es ist heute einfach so, dass man in diesem Netz alles und jeden findet. Damit muss man leben. Ob man will oder nicht, ob das rechtens ist oder nicht. Und ob das fair ist oder nicht. Es ist so.»

Der Fall, der nicht in 20 Minuten geschrieben war


Der nächste Fall. Jeremy Kunz hat sein Leben auf den Kopf gestellt, hat seinen Traum verwirklicht und ist Reiseblogger geworden. Er bloggt dabei so gut, dass 20 Minuten bei ihm nicht nur unbemerkt ein Bild klaute, sondern auch gleich den ganzen Textbeitrag. Via Twitter schrieb Jeremy die auflagestärkste Zeitung der Schweiz an und bekam erstmal keine Antwort. Doch sein Tweet wurde so oft retweetet, dass sich 20 Minuten per Mail bei Jeremy meldete – mit einer Ausrede. Man habe das Blogsystem testen wollen und dummerweise den Beitrag danach nicht mehr gelöscht. Sehr witzig. Jeremy meinte dazu:

«Vorher fand ich es frech, jetzt fand ich das Vorgehen von Tamedia einfach nur noch peinlich. Die Antwort fand ich so frech, das ich mich nicht mehr weiter mit Tamedia, sondern mit einem Anwalt bei Kellerhals Anwälte beschäftigt habe und Tamedia gezwungen wurde, neben einer finanziellen Entschädigung zu zahlen auch meinen Blog in der Zeitung zu promoten.»

Früher nutzte Jeremy ein dezentes Wasserzeichen in seinen Bildern, heute mag er keine weiteren Vorkehrungen gegen allfälligen Bilderklau betreiben.

«Mir war es bis jetzt zu doof, mich mit solchen negativen Dingen auseinanderzusetzen und konzentriere mich lieber auf diejenigen, die meine Artikel und Bilder offiziell lizenzieren. Wenn ich eine Urheberrechtsverletzung feststelle, gehe ich dafür um so strikter dagegen vor.»

Mittlerweile musste er bereits fünf mal wegen Urheberrechtsverletzung reagieren und meint unterdessen auch, dass hinter diesen Fällen schlichtweg Kalkül steckt: man hofft einfach mal, dass man nicht entdeckt wird. Mindestens das doppelte Bildhonorar verlangt Jeremy, wenn ein Bild «nachträglich» lizenziert wird. Ist man damit nicht einverstanden, darf man zusätzlich noch die Kosten seines Anwalts plus Kosten für seine Aufwände tragen.

Der Fall mit dem Wein 

Patrick Vuithier verkauft Wein. Auch im Internet. Und da sein Online-Shop nebst Beschrieben zu den Weinen auch Fotos enthält, fotografiert er diese auch gleich mit viel Aufwand selbst. Seine Bilder versieht er mittels einer Software mit einem digitalen Wasserzeichen. Präventiv:

«Das Plugin für die Bildbearbeitungssoftware hinterlegt im Bild ein für Laien nahezu unsichtbares Wasserzeichen, welches nur bei genauem Hinsehen als Muster erkennbar ist. Die meisten Entdeckungen machen wir zufällig beim surfen oder beim Preisvergleich, denn wir erkennen unsere Bilder aufgrund der Studiobeleuchtung sofort. Oder eben die Software meldet, wenn jemand ein Bild von uns im Internet verwendet. Am wenigsten Hemmungen haben Privatpersonen, die bedienen sich für ihre Auktionen gleich an Text und Bild.»

Wie reagieren solche Firmen, wenn sie von Patrick angeschrieben werden?

«Wenn wir solche ‘Piraten’ darauf ansprechen, ziehen die Meisten das Ganze ins Lächerliche und sehen den Bilderdiebstahl als Bagatelle; ein Mitbewerber meinte einmal lakonisch, ob wir denn nichts besseres zu tun hätten, als die Websites der Mitbewerber zu besuchen. Bilder- und Textdiebstahl sehen wir nicht als Kavaliersdelikt, im Gegenteil, wir nehmen uns viel Zeit und investieren Geld, haben ein professionelles Studio eingerichtet und bearbeiten die Fotos. 

Nach dem Auffinden des Bildmaterials hat ein Webseitenbetreiber 24 Stunden Zeit, das Bild zu entfernen, was meist gut klappt. Wenn der Verursacher nicht einlenkt, beauftragen wir unsere Anwälte. In Deutschland ist das Bewusstsein für Urheberrechte klarer, denn es wird sofort abgemahnt von Anwaltskanzleien und es geht meist gleich um viel Geld. Persönlich bin ich kein Freund von Abmahnungen, weil diese oft wellenartig und meist sehr fragwürdig auftauchen.»

Es scheint so, als wäre Patrick Vuithier also recht gut ausgerüstet und ein alter Hase, was die Prävention und die Abhandlung von Bilderklau anbelangt. Noch ein Beispiel gefällig?

Der Fall mit der Schweizer Garde 

Copyright: Gabriel Giger

Gabriel Giger absolvierte mit mir die Grafiker-Klasse an der Kunstgewerbeschule in Bern. Bereits damals zeichnete er Comic-Strips. Heute zeichnet er erfolgreich Cartoons für den Walliser Boten und sorgt auch auf seiner Facebook-Seite immer wieder für ein Schmunzeln. Zur diesjährigen WM zeichnete er ein passendes Sujet, bei dem sich die Schweizer Garde vor dem Fernseher amüsiert und im Hintergrund der grollende Argentinische Papst Franziskus. Ein Volltreffer, von welchem selbst der offizielle Twitter-Account des Vatikans (99’000 Follower) nicht seine Hände lassen konnte (Tweet).

Natürlich ohne Credits anzugeben oder bei Gabriel um Erlaubnis zu bitten. Kurze Zeit später fand sich der Cartoon auch auf 9Gag wieder – wieder ohne Credits für Gabriel. Offenbar hatte auch der bekannte Deutsche Cartoonist Ralph Ruthe gleiche Probleme mit 9Gag.

«Einerseits ist man froh, dass soviele Leute meine Arbeit gesehen haben und „liken“, anderseits denkt man sich… WTF. Besonders bei 9gag, die ja mit geklauten Bildern Geld verdienen und nicht mal meinen Namen oder Link erwähnen.»

Auch bei Gabriel hinterlässt der Bildklau-Fall kein gutes Gefühl.


Der letzte Fall mit den Reisebildern

Anita Brechbühl ist Travelbloggerin und macht grossartige Fotos, mit denen sie ihre Reiseberichte illustriert. Und natürlich werden auch ihre Bilder irgendwo weiterverwendet (z.B. auch auf 9Gag.com), ohne dass sie es jemals erfahren hat. Wenige Fälle hat sie überhaupt bemerkt:

«In früheren Fällen war es purer Zufall. Plötzlich bin ich meinem Bild auf Google+ begegnet und habe bemerkt, dass es nicht geteilt sondern ohne Credits erneut gepostet wurde. Das Gleiche auf Pinterest und Twitter. Teilweise wurden Bilder aus Tweets ohne Links auf Pinterest Boards geteilt oder Instagram Bilder mit anderen Accounts automatisch und ohne korrekte Namensnennung getweetet. Die aktuellen Fälle habe ich einerseits dank Plaghunter (kostenloses Profil für bis zu 5 Bilder) und Google-Bildersuche entdeckt.»

Anita verdient nebenbei ihr Geld mit Reisen und darüber bloggen. Ich fragte sie, wie hoch denn eine Entschädigung in solchen Bildklau-Fällen sein sollte:

«Schwierig… Es kommt extrem darauf an, mit wem ich es zu tun habe. Einem ausländischen Unternehmen eine Rechnung schicken ist wohl ein hoffnungsloses Unterfangen - und wie will man die wilde Verbreitung (wenn das Bild ohne Credit auf Facebook x-mal geteilt wurde) beziffern? Eine Busse würde sicher präventiv wirken, aber die effektive Umsetzung (und der zeitliche Aufwand, um das Geld einzutreiben) beurteile ich als schwierig.»

Beziehungsstatus zum Thema Bildklau: es ist kompliziert
Ich könnte euch an dieser Stelle noch viel mehr Fälle und viele (auch hilflose) Aussagen zum Thema Bildklau erzählen. Unzählige Mails gingen nach meinem Aufruf via Twitter / Facebook / G+ ein (danke an Claudio, Jürg, Manuel, Heiko, Yves und allen Anderen, die mir Bilderklau-Fälle geschickt haben!). Ich selbst habe auch schon ähnliche Erfahrungen gemacht (die Website meiner damaligen Agentur frühjahr wurde mehrmals kopiert - inklusive selbst geschossenem Bildmaterial). Das ist allerdings länger her. Heute rege ich mich umsomehr auf, wenn Bilder für kommerzielle Zwecke geklaut werden.

Warum drucken Zeitungen nicht sauber lizenziertes Bildmaterial ab? Wieviel kann ich in Rechnung stellen, wenn mein Bild geklaut wurde? Was kann ich vorbeugend dagegen tun? Da ich ratlos war, liess ich mir helfen. Von einem Rechts-Profi:


Tipps vom Anwalt 

Rechtsanwalt Martin Steiger

Martin Steiger ist Rechtsanwalt und berät in rechtlichen Angelegenheiten im digitalen Raum mit Schwerpunkten im IT-, Immaterialgüter- und Medienrecht. Zuerst fragte ich ihn, wie er das Thema Bilderklau im Schweizer Pressewald aus seiner Erfahrung einschätze:

«Urheberrechtsverletzungen sind in der Schweiz in Medien – gerade auch online – alltäglich. Quellenangaben wie ‘Internet’ oder ‘YouTube’ sind regelmässig anzutreffen. Ich vermute, zwei Gründe stehen im Vordergrund: Einerseits Bequemlichkeit, andererseits die Erfahrung, dass sich Betroffene kaum je zur Wehr setzen – was übrigens auch bei anderen Rechtsverletzungen durch Medien gilt.»

Natürlich stieg ich danach sofort auf die Frage ein, welche mich am meisten interessierte: kann ich mich in der Schweiz mit einer Angabe von z.B. Creative Commons genügend rechtlich schützen?

«In jedem Fall gelten Creative Commons-Lizenzen auch in der Schweiz und man kann beispielsweise bei der Verwendung des NC-Bausteins gegen eine kommerzielle Verwendung rechtlich vorgehen. Bei Flickr ist zu beachten, dass die verfügbaren Creative Commons-2.0-Lizenzversionen leider veraltet sind. Man sollte nach Möglichkeit die aktuellen Creative Commons-4.0-Lizenzversionen verwenden. NC ist bei Creative Commons-Lizenzen häufig keine gute Idee und SA ist üblicherweise wirkungsvoller (siehe dazu Blogpost Creative Commons: Was gilt als nicht kommerziell?).»

Haueja, dachte ich. Muss ich mich wirklich mit diesen Creative Commons Dings rumschlagen? Reicht denn nicht ein einfaches © Copyright und gut ist?

«Bei der Veröffentlichung von Bildern sollte man einen Copyright-Hinweis anbringen, auch wenn das Copyright eigentlich ein anglo-amerikanisches Konzept ist. Aber man signalisiert damit deutlich, dass ein Bild urheberrechtlich geschützt ist. Verwendungen, die man ausdrücklich erlauben möchte, sollte man deutlich darstellen, beispielsweise mit den gängigen Symbolen für Creative Commons-Lizenzen. Und sofern man seine Bilder kommerziell verwerten möchte, sollte man auch dafür direkt eine Möglichkeit anbieten. Bei der Lizenzierung von eigenen Bildern ist wichtig darauf zu bestehen, dass man als Urheber genannt wird.»

Das klingt also bereits einfacher. Abschliessend wollte ich von Martin dann natürlich noch wissen, was er als Rechtsanwalt empfiehlt zu tun, wenn man einen Bilderklau bemerkt hat und wieviel man denn verlangen kann:

«Nicht autorisierte Nutzungen sollte man abmahnen und dabei in einem ersten Schritt Auskunft verlangen, in welchem Rahmen (Wofür? Wie lange?) die Nutzung erfolgt ist. Aufgrund dieser Auskunft, auf die ein Rechtsanspruch besteht, kann man dann Rechnung stellen. Dabei kann man sich an den Empfehlungen von Branchenverbänden orientieren – gängig sind die SAB-Preisempfehlungen für Bildhonorare – oder auf eigene, bestehende Preislisten verweisen. Wichtig ist, dass diese Preislisten nicht nur pro forma bestehen, sondern auch tatsächlich entsprechende Lizenzierungsmöglichkeiten bestanden.

Ein so genannter Verletzerzuschlag, wie man ihn beispielsweise in Deutschland kennt, wäre angemessen, wurde vom Bundesgericht bislang aber nicht anerkannt. Man kann aber beispielsweise eigene Kosten für den notwendigen Beizug eines Rechtsanwalts als Schadenersatz in Rechnung stellen. Daneben besteht bei Urheberrechtsverletzungen immer auch auch die Möglichkeit, Strafanzeige beziehungsweise Strafantrag zu stellen.»

Wow. So wie es also aussieht, ist man gar nicht so chancenlos, wenn einem Ruhm und Ehre mal nicht ganz reicht. Natürlich muss man abwägen, ob man denn diesen Schritt in einem Einzelfall gehen oder ob man sich den Ärger ersparen will. Denn manchmal kommt man auch ganz gut weg, wenn man mit z.B. einer Zeitung verhandeln kann.

Beispiel Blick am Abend
Aus meiner Sicht versucht das Ringier-Blatt Blick am Abend zumindest, wo möglich saubere Credits zu geben oder Bilder zu lizenzieren. Bei mehreren Tausend verwendeten Bilder pro Tag nicht immer ein Leichtes. Doch gemäss meinem kurzen Telefon-Interview mit dem Stv. Chefredaktor Thomas Benkö tut die Bildredaktion ihr Mögliches, um eine korrekte Verwendung der Bilder zu gewährleisten. Es gäbe erfreulicherweise sehr wenig Fälle, bei denen ein Bild nicht vollumfäglich lizenziert oder die Credits abgeklärt werden konnten. Wenn aber mal ein solcher Fehler passiert, gilt bei BaA die Faustregel, dass man nicht nach Ausreden sucht, sondern nachträglich ein übliches Bildhonorar in doppelter Höhe auszahlt.

Fazit (tl;dr)
Bilder werden jeden Tag in Unmengen geklaut, kopiert und neu veröffentlicht. Die meisten Fälle bleiben wohl unentdeckt. Denn selbst Wasserzeichen lassen sich einfach entfernen. Eine Art unknackbaren digitalen Schutz für Bilder gibt es (noch) nicht. Man kann aber präventiv viel tun, um einen Bilderklau schwierig und mühsamer zu gestalten (siehe nachfolgende Liste ‘vermeiden’). Hat man also vorgesorgt, bleibt der zweite Schritt: wie man gestohlene Bilder wiederfindet (siehe ‘bemerken’). Entdeckt man dann am Tag X, dass ein Foto unlizenziert verwendet wurde, hat man durchaus gute Möglichkeiten, dass man dafür entschädigt wird (‘reagieren’).

Das Bildautoren ABC 

a) vermeiden

  1. Lade deine Bilder so klein (Breite x Höhe) wie möglich hoch. So bist Du schon mal für einen grossen Teil der Bilderdiebe unattraktiv.
  2. Versehe deine Bilder mit einem Wasserzeichen / Signatur (Bsp. ‘© David Blum’).
  3. Versehe deine Bilder mit möglichst wenigen durchsuchbaren Attributen wie Bildname, Tags, Geokoordinaten etc.
  4. Hinterlege deinen Bildern auch ein unsichtbares Wasserzeichen wie z.B. mit digimarc.com (kostenpflichtig).
  5. Willst Du eine Nutzung zulassen, generiere die passende Creative Commons Lizenz zu deinen Bildern.

b) bemerken

  1. Suche mittels einer Rückwärtsbildsuche wie z.B. Google oder Tineye manuell nach Bildern, die du ins Netz gestellt hast.
  2. Nutze für eine automatische Suche Tools wie z.B. plaghunter.com (5 Bilder kostenlos).
  3. Tracke deine mit Digimarc versehenen Bilder via digimarc.com.

c) reagieren

  1. Auskunft verlangen, in welchem Rahmen (Wofür? Wie lange?) die Nutzung erfolgt ist (falls nicht offensichtlich).
  2. Aufgrund dieser Auskunft, auf die ein Rechtsanspruch besteht, kann man dann Rechnung stellen (so genannter Verletzerzuschlag, also Mehrkosten für Lizenzieren im Nachhinenin, gibt es leider noch nicht in der Schweiz). Preis kann sich z.B. an Empfehlungen von Branchenverbänden orientieren – gängig sind die SAB-Preisempfehlungen für Bildhonorare.
  3. Man kann aber beispielsweise eigene Kosten für den notwendigen Beizug eines Rechtsanwalts als Schadenersatz in Rechnung stellen.
  4. Daneben besteht bei Urheberrechtsverletzungen immer auch die Möglichkeit, Strafanzeige beziehungsweise Strafantrag zu stellen.

Wieviel Aufwand man betreiben will, sei jedem selbst überlassen. Die rechtliche Lage ist nun jedoch klar: solange Du es nicht explizit erlaubst, darf keines deiner Bilder ohne deine Einwilligung oder gezahltem Bildhonorar verwendet werden. Und wem das alles egal ist und auch kein Geld dafür sehen möchte: stellt seine Bilder entsprechend gekennzeichnet ins Netz - Publizisten wird es freuen. 

Kräutersalz selbstgemacht.
Heute verrate ich euch was. Gut geeignet für Hobby-Gärtner mit farblosen Daumen oder Menschen mit zwei linken Händen. Denn ein selbstgemachtes Kräutersalz kann fast nur gut werden. Voila:
Zeitaufwand: ca. 15 Minuten
Kräuter abschneiden (wenn keine vorhanden -> beim Nachbar)
alles bei ca. 40 Grad trocknen (Backofen oder besser Dörrex), bis die Kräuter sich brechen lassen
Kräuter von den Stengeln abziehen und mörsern (wenn Mörser nicht vorhanden -> beim Nachbar vorbeischauen)
Kräuter 20% mit 80% Salz mischen, am besten Fleur du Sel oder grobem Meersalz
Mischung nach Bedarf mit Pfeffer, Chilli oder Curry pimpen
alte Gewürzmühlen leeren (viellecht beim Nachbar noch kurz fragen?) und abfüllen
Fertig ist das Muttertagsgeschenk. Oder das Mitbringsel zur nächsten Grillparty. E guete!
Kräutersalz selbstgemacht.
Heute verrate ich euch was. Gut geeignet für Hobby-Gärtner mit farblosen Daumen oder Menschen mit zwei linken Händen. Denn ein selbstgemachtes Kräutersalz kann fast nur gut werden. Voila:
Zeitaufwand: ca. 15 Minuten
Kräuter abschneiden (wenn keine vorhanden -> beim Nachbar)
alles bei ca. 40 Grad trocknen (Backofen oder besser Dörrex), bis die Kräuter sich brechen lassen
Kräuter von den Stengeln abziehen und mörsern (wenn Mörser nicht vorhanden -> beim Nachbar vorbeischauen)
Kräuter 20% mit 80% Salz mischen, am besten Fleur du Sel oder grobem Meersalz
Mischung nach Bedarf mit Pfeffer, Chilli oder Curry pimpen
alte Gewürzmühlen leeren (viellecht beim Nachbar noch kurz fragen?) und abfüllen
Fertig ist das Muttertagsgeschenk. Oder das Mitbringsel zur nächsten Grillparty. E guete!

Kräutersalz selbstgemacht.

Heute verrate ich euch was. Gut geeignet für Hobby-Gärtner mit farblosen Daumen oder Menschen mit zwei linken Händen. Denn ein selbstgemachtes Kräutersalz kann fast nur gut werden. Voila:

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  1. Kräuter abschneiden (wenn keine vorhanden -> beim Nachbar)
  2. alles bei ca. 40 Grad trocknen (Backofen oder besser Dörrex), bis die Kräuter sich brechen lassen
  3. Kräuter von den Stengeln abziehen und mörsern (wenn Mörser nicht vorhanden -> beim Nachbar vorbeischauen)
  4. Kräuter 20% mit 80% Salz mischen, am besten Fleur du Sel oder grobem Meersalz
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  • Camera: Nikon 1 J1
  • Aperture: f/5,6
  • Exposure: 1/50th
  • Focal length: 21mm