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Mittwoch, 01. August 2012
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3 min read

Nationalfeuertag.

Liebe Eidgenossinnen, liebe Nutzniesser

wir feiern heute die Gründung der Schweiz, 721 Jahre alt wird unser kleines Land. Man könnte meinen, dass das alt sei. Doch Länder wie Ägypten, Irak oder Griechenland, könnten die Urgrosseltern unserer verschwörten Genossenschaft sein. Wieder andere Länder, wie die Seychellen oder Kosovo, könnten unsere Enkelkinder sein. So betrachtet sind wir als Schweiz ungefähr 45 Jahre alt, quasi in Länderjahre umgerechnet.

Wir wohnen heute also in einem Land, welches mit Sandra Bullock zu Schule gegangen sein könnte. Oder mit Kai Pflaume. Jung ist man zwischen 18 und 35, alt zwischen 65 und 85. Alle die zwischen drin liegen sind mittleren alters (das schrieb irgend jemand im Internet, diese Quellenangabeart entnahm ich der Tageszeitung). Gehen wir davon aus, dass die Schweiz heute also im besten Alter ist, dürfte dies die beste Voraussetzung sein, um von unseren jüngeren Umländern nicht als tattrig und alt vorverurteilt zu werden.

Die Schweiz weiss, dass Browser nicht zum Duschen sind, die Schweiz spricht auch gerne mal mit jüngeren Ländern, die Schweiz lässt sich nur schwer beeindrucken, die Schweiz ist auch auf facebook. Die Denkleistung der Schweiz ist noch intakt, sie riecht nicht komisch nach einem halben Tag und ist finanziell auch noch nicht mit dem Rollator unterwegs.

Wir leben zwischen Bergen, Wasserfällen, Seen, Hochspannungsleitungen und Wäldern, zwischen Autobahnen und Maisfeldern, zwischen Gletschern und Kalkhügeln. Zwischen ungefähr 2327 Kirchen und geschätzten 18’426 Brunnen. Wir essen vorwiegend süsse Dinge zum Frühstück, speisen exakt zwischen 12 und 13 Uhr eine zweite Mahlzeit und Abends gibt es entweder Ghackets mit Hörnli oder Kafigomplett.

Immerhin hören wir einmal im Jahr jemandem zu, wenn er eine Rede schwingt und Dinge sagt, die er eben sagen möchte. Vermutlich sind wir nicht die besten Zuhörer, doch wer hört schon gut zu. Denn ist es nicht auch hier so, dass Lautes leichter überhört wird, als Leises?

Wir schützen uns automatisch vor Lautem. Heute ist alles laut. Die Autobahnen, die Festivals, die Bahnhöfe, die Diskussionen, die Baustellen, die Werbung, die Handytelefonierer, die Farben, das Internet - alles ist laut.

Am lautesten ist die Schweiz am 1. August, wenn sie ihren Nationalfeuertag feiert. Mittels Knallern und Blöllern wird gefeiert, dabei 250 Personen-Unfälle und Schäden an Häusern im Wert von 3.5 Millionen Franken verursacht. Würden nur Frauen diesen Tag feiern, wäre es wohl um Einiges ruhiger. Doch ein Bisschen Spass muss sein, auch am Woodstock gab es drei Tote (ein Unfall- und zwei Drogentote).

Wenn wir uns besinnen möchten, was wir hier tun und weiter tun möchten, dann müssten wir vielleicht nicht viel mehr tun, als zuzuhören. Skeptisch zuhören, aber zuhören. Darüber wurde bereits geschrieben. Wie über alles. Vermutlich müssen wir, bevor wir zuhören können, mehr lesen. Und da unser Leben zu kurz ist, um all das zu lesen, was wir lesen sollten, müssen wir vielleicht lernen schneller zu lesen. 3-4 Bücher pro Woche. Um dies zu lernen, gibt es wieder Bücher.

Beginnen wir zu lesen, damit die Schweiz, wenn sie mal alt ist, nicht alt aussieht. Oder gar das gut behütete Geld aus den Augen verliert. Sonst haben wir dann den Salat. Den Griechischen.

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