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Reisebüros sollte man neu erfinden

Lesezeit: -  Veröffentlicht am6. Oktober 2011

Wer heute eine Reise plant, der beginnt im Internet. Ich weiss nicht, wie ihr das macht, ich pflege dies jeweils so anzugehen. Ich beginne bei Google nach irgend welchen Reisedestinationen zu suchen, welche meinen Wunschvorstellungen entsprechen. Oder ich zumindest meine, dass sie es tun.

Grenzenloses Reisebüro Internet

Gerade jetzt, als ich meine Australien-Ferien wegen Krankheit canceln musste, suchte ich, also wir, nach einem würdigen Ersatz. Meer, Wärme, kein Hotelbunker, Wellness, zweidrei Ausflüge, keine ewige Flugreise. Im November.

Also einigten wir uns bald mal auf Bali als Destination (welche im November gar nicht empfehlenswert ist, da zu starke Ebbe/Flut. Aber das stand da nirgends im Internet). Googelten wie wild, verglichen Angebote, ich bekam via Facebook viele Tipps – nach einer Weile wussten wir nicht mehr, wo’s weitergeht. Das Internet ist voll von raffinierten Fotos, Reiseportalen, Ratgebern und Ratingportale. Es braucht unendlich viel Zeit, sich hier den Durchblick zu verschaffen. Und Nerven. Etwa soviel, dass man gleich eine Woche Ferien verlängern muss, um sich davon zu erholen.

Dann halt doch Reisebüro

So spazierten wir ins Reisebüro. Kuoni. Gleich mal so richtig, dachten wir. Wir sind ja Millionäre und so. Nun, die gute Dame laberte uns etwa 20 Minuten voll, erklärte uns, welche Reiseziele für uns nicht unbedingt in Frage käme. “Die ganze Küste hier würde ich euch nicht empfehlen”. Oder “Ägypten ist sicher schön, wird aber abends kalt”. Super. Herzlichen Dank für diese Informationen. Ich wollte schon immer wissen, wohin ich nicht will.

Nach einer geschlagenen Stunde verlangten wir dann mal was zum Trinken. Das fand die Dame eine gute Idee, so konnte sie auch gleich auf dem Weg den Asien-Prospekt vom Regal holen. Wurde auch Zeit. Nun, wieder das gleiche Spiel: sie beschrieb wieder ausführlich, wo wir in Thailand nicht unbedingt hin sollten. “Hier, die Bucht da, vorwiegend Hotelbunker und Sextourismus”. Aus heiterem Himmel wollte sie immer darauf schauen, dass wir abends auch “in den Ausgang” könnten. Heia, wir haben das zwar nicht erwähnt, aber da wir beide nach Redbull stanken und T-Shirts mit der Aufschrift “Pogo-Tusse” und “Atze-Party ohne ENDE” trugen, war das ja irgendwie offensichtlich.

Ziellose Beratung

Also kreuzte sie uns ein paar Hotel-Bunker an (obwohl wir erwähnten, dass wir… ach, egal). Bei den Hotels, die sie nicht kannte, das heisst, in denen sie noch nie war, schrieb sie ein Fragezeichen hin. Bald einmal merkten wir, dass die gute Frau einen ziemlich anderen Geschmack bezüglich Hotelarchitektur hatte, aber was will man da machen.

Meine Frage, ob es auch möglich wäre, statt von Zürich zum Beispiel von Frankfurt oder München zu fliegen, löste bei ihr regelrechte Entrüstung und einen 10-minütigen Vortrag über eingekaufte Flugkontingente und weissichwas aus. Vermutlich hörte ich gar nicht genau zu.

Schliesslich verliessen wir das Reisebüro, total erschöpft, in der Tasche ein Kuoni Asien-Katalog mit ein paar angekreuzten Hotels in Thailand drin.

Wer jetzt schon öfters in Reisebüros war (ich war erst zum 2. Mal da), der zuckt nun wohl mit den Schultern und meint, das sei halt so. Was will ich denn überhaupt? Was ich will? Wie mein Traumreisebüro funktionieren würde? Das verrate ich euch gerne:

Mein Traumreisebüro - nennen wir es völlig billig DreamTravel

Telefonat: “Herzlich Willkommen bei DreamTravel, mein Name ist Sonja, was kann ich für dich tun?” “Hallo Sonja, ich hätte gerne einen Termin in der Explorer-Lounge, am besten am Samstag oder Sonntag” “Sehr gerne, am Samstag um 16:30, sonntags um 14 Uhr oder 15 Uhr hätte ich noch was frei” “Ok, gerne sonntags 15 Uhr, zwei Personen” “Sehr gerne, bis bald!”

Sonntags, 14:55 Uhr, DreamTravel Aarau: wir betreten das grosszügige Foyer und werden von einer netten Dame am Empfang begrüsst. Sie fragt uns nach unseren Wünschen. “Wir haben einen Termin um 15 Uhr in der…” “…Explorer-Lounge, Frau Blum und Herr Worni? Bitte folgen Sie mir”, lächelt sie und tippt etwas in ihr mobiles Buchungsgerät.

“Darf ich Ihnen etwas zum Trinken bringen? Cola, Tee, ein Kaffee, für den Herr ein Bierchen vielleicht?” “Danke, gerne einen Tee und ein Bier” “Kommt sofort, gerne können sie sich von unseren Snacks was aussuchen. Wir haben frische tropische Früchte, Sushi, geröstete Haselnüsse oder belegte Brötchen. Ich bin gleich wieder da.”

Wir lehnen uns in den gemütlichen Ledersesseln zurück und blicken uns um. Insgesamt gibt es 5 Beratungs-Lounges, einen VR-Room und eine coole Wand mit Live-Cams aller wichtigen Flughäfen der Welt. Schummriges indirektes Licht, es duftet wie in einem SPA-Hotel und ganz dezente Hintergrundmusik ist zu hören. Und Wasserfälle. Und Froschquaken ab und zu.

Freundlichkeit aus Holland

Die Empfangsdame ist zurück und schenkt uns unsere Getränke ein. Wir bestellen Sushi und Früchte, als unser Explorer-Berater auftaucht. “Hallo ich bin Jan” begrüsst er uns mit holländischem Akzent. Braungebrannt, gibt uns die Hand und lässt sich lässig in den dritten Sessel fallen. “Wie ich eben sehe, seit ihr zum ersten Mal hier” meint er, während er den Computer vor sich mit den Fingern beklappert. Neben uns an der Wand blendet sich langsam eine einsame Meeresbucht ein, darüber steht in den Himmel geschrieben “Welcome Nicole Blum and David Worni - where do you want to go tomorrow?"

Jan grinst wieder und meint, wer zum ersten Mal hier sei, könne sich am Schluss etwas Cooles aussuchen. Ein Strandtuch zum Beispiel oder eine Sonnenbrille. Nice, denke ich, das Bier schmeckt lecker!

"Okay, während eure Snacks frisch zubereitet werden, legen wir mal mit der exakten Definition eurer Wunschferien los. Ich, also unser Explorer-System hier stellt euch jetzt ein paar Fragen, ich werde die Antworten für euch eintippen. Das dauert maximal 5 Minuten, je nach dem wie einig ihr beide euch seid… hehe”, sagt er und grinst wieder schelmisch.

Frageassistent mit Intelligenz

Danach folgen cool aufbereitete Fragen zu Budget, Ferienart, Unterkunftsart, Reisezeit, Essen, Aktivitäten, No-Gos, Wetter undsoweiter. Jan tippt fleissig die Antworten ein oder klickt sich durch die entsprechend vorgegebenen passenden Antworten.

Tatsächlich sind wir nach 6 Minuten fertig, unsere Snacks kommen und Jan murmelt zufrieden “Seeehrr chuut”. “Also, gemäss euren Wünschen ist Thailand eure Traumdestination mit ungefähr 240 Angeboten. Okay, passt das erstmal?” Wir nicken beide und geniessen unsere leckeren Snacks. “Ich werde euch jetzt drei Hotels vorstellen, welche Bungalows haben, in eurem Reisebudget für die vorgegebene Zeit sind und die mir das System gemäss euren Design-Antworten aus der Fragerunde empfiehlt. Es sind ein günstigeres, ein mittleres und ein Deluxe Hotel bei den drei dabei. Also, hier das Erste…”.

Multimedia-Demo statt Prospekte

Neben uns an der Wand beginnt ein Film zu laufen, der das Hotel und die Umgebung vorstellt. Der Film dauert knapp zwei Minuten. Anschliessend zeigt uns Jan noch Schnappschüsse, die von Touristen gemacht wurden (vermutlich aus der Flickr-Suche), erzählt uns noch ein paar Details und druckt uns auf einen A4 farbig einen Steckbrief mit dem ganzen Angebot inkl. Flüge und Taxen, sowie einen Strichcode aus.

Dieser Ablauf wiederholt sich noch zweimal, das Deluxe Hotel haut uns klar aus den Socken. Ich will sofort buchen, wohl wegen dem Bier, ich finde alles super und möchte Jan am liebsten umarmen. Zum Glück hat meine Traumfrau Tee getrunken und meint, wir würden uns das gerne zuhause überlegen. Jan lächelt zufrieden und meint, dass er das uns sowieso empfehle. Wir könnten dann auch einfach auf dreamtravel.com oben rechts den Code unter dem Strichcode eingeben und würden sofort im System landen. Dort können wir ihm auch via Direktmessage Fragen stellen oder Anrufen, sein Kontakt werde dort automatisch erscheinen. Die Angebote hätten eine Gültigkeit von einer Woche, danach müsste man die nochmals vor Ort checken, resp. verlängern.

Zufrieden und glücklich verlassen wir nach 40 Minuten das Reisebüro. Drei perfekt passende Angebote dreier Preisstufen (und zwei kuschelige Strandtücher) in der Tasche, welche wir selbst online buchen können. Was will man mehr?

Veröffentlicht von: David Blum in Read
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David Blum

Eine Frage an die Massen

Lesezeit: -  Veröffentlicht am8. November 2010

Die stellte ich, vor etwa einer Stunde. Via formspring.me/dworni schrieb ich anonym an alle Accounts denen ich folge eine Frage. Und zwar in etwa diese bekannte «Welches Buch würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?» - nur leicht moderner: Der Weltuntergang naht, das Internet versinkt, halleluja. Hier die Frage:

Gut, das ist jetzt so eine Massenfrage an alle Dings hier, äh Friends, wie das hier so schön heisst: das Internet versinkt unter Wasser, du hast gerade noch Platz für eine Website auf deinem USB-Stick. Welche rettest du für die Nachwelt auf die Arche?

Naja, ich gebe es zu, die Frage ist für Manche weniger spannend als irgendwelche anonymen Unzüglichkeiten. Die Antworte war erwartungsgemäss so ziemlich bei allen wikipedia.com (hätte ich wohl auch geschrieben). Einige hielten ihren eigenen Blog als die wichtigste Seite des Internets. Kann man machen.

Warum ich das jetzt aber hier zu einem Blogbeitrag verwurstle: so simpel das Tool formspring auch ist, ich war erstaunt ob der raschen Antwortszeit auf meine Frage. Innert einer Stunde erhielt ich 22 Antworten. Klar, an einem Freitagabend um 23 Uhr hätte das nicht hingehauen. Aber heute ist ja Montag. Uns stellt euch vor, ich würde da 3000 Menschen folgen.

Die beste Antwort kam übrigens von @hosae: schwimmen.com (also mehr sinnesgemäss, da drauf ist nix), die Zweitbeste von @bugsierer: www.daxo.de. Oder die Drittbeste von @chicundschlau: «flickr. damit die menschen noch wissen wie die welt vorher aussah».

So. Und es tut mir echt leid, habe ich euch die Frage anonym gestellt. Aber jetzt wisst ihrs ja. Danke fürs Mitmachen. Danke Internet. Danke Mamma.

Veröffentlicht von: David Blum in Read
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David Blum

Lesezeit: -  Veröffentlicht am13. November 2009


Idee - «Social Media Screen». Die Idee ist einfach: man nehme ein Flatscreen wie es zur Zeit duzende für Fotos gibt, mit WiFi-Empfang. Auf dem Gerät kann man sich Social-Media-Feedbacks in einer schöner Übersicht anzeigen lassen, wichtige Meldungen sogar optional mit Tonausgabe ankündigen.

So rückt man den Social-Media-Kundenservice ins Zentrum der Firma/Abteilung und erhält einen dekorativen Überblick über Twitter, Facebook, Blogbeiträge und so weiter.

Konfigurierbar wäre das Interface via Browser, mehrere Panels können aneiandergereiht und zur besseren Übersicht ergänzt werden. Grösse: 20 Zoll +, Kosten pro Panel inkl. Software: CHF 349.–

Update: kurzes Livestream-Brainstorming auf Ustream kann man hier nochmals anschauen.

Veröffentlicht von: David Blum in Read
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David Blum

Cardreader

Lesezeit: -  Veröffentlicht am23. Juni 2009

Hätte ich 2002 diesen Cardreader auf den Markt gebracht, wäre ich heute vielleicht reich. Nur war ich damals grad bankrott.

Veröffentlicht von: David Blum in Read
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