Warum es gesund ist, krank zu sein

Lesezeit: 2 Minuten -  Veröffentlicht am24. März 2015

Lebe ich gesund? Tue ich was für mich? Mache ich das Richtige aus meinem Leben? Auf solche wichtigen, aber auch unangenehmen Fragen kommt man kaum beim Lesen von Gratiszeitungen. Solche Gedanken macht man sich nicht, nach einem durchgefeierten Wochenende oder während der Arbeit. Solche Fragen drängen sich nicht auf, die können wir uns ja morgen stellen. Oder übermorgen.

Ein guter Moment, sich mit solchen Gedanken auseinanderzusetzen, ist wenn man alleine ist. Und da sich der moderne Mensch ungern mit sich selbst abgibt, funktioniert das oft nur dann, wenn der Körper mal nicht reibungslos funktioniert und man beispielsweise mit einer üblen Grippe im Bett liegt. Nur dann kommt man vielleicht dazu, sich auf solche Gedankengänge einzulassen.

Wird man aber gesundheitlich so richtig durchgerüttelt und ist mehrere Wochen «weg vom Fenster», hat man genügend Zeit um sich solche und andere Überlegungen mal so richtig zu beantworten. Ich persönlich selbst war wegen einer übleren Magen-/Darm-Entzündung mehrere Wochen im Spital, weiss nun wie künstliche Ernährung schmeckt und veröffentliche demnächst ein E-Book zum Thema «102 Tipps wie man seinen Spitalaufenthalt zu einem Fünfsternhotel-Erlebnis macht». No Panic, mir geht’s wieder gut.

Lebe ich gesund?
Keine Ahnung. Essen: Ich esse wenig Fleisch, wenn dann Bio und von bester Qualität. Gemüse, Salat und Früchte gehören ebenso zum Speiseplan wie Fisch und Milchprodukte. Sündigen tue ich mittels Schokolade, irgend welchen süssen Backwaren und ab und zu vielleicht zu oft mit Süssgetränken. Alkohol trinke ich seit ein paar Monaten keinen mehr, mit dem Rauchen habe ich vor 4 Jahren aufgehört. Und ja: ich trinke vermutlich nicht die empfohlenen 2-3 Liter Wasser pro Tag. Eher so 1,5 Liter im Schnitt. Keine Ahnung, ich tracke das alles nicht. Insgesamt sollte ich wohl mit Süssigkeiten knausriger sein und mir auch solche Green Smoothies mixen. Hmm.

Tue ich was für mich?
Sport: Joggen, meist in der wärmeren Jahreszeit. Also ab jetzt bis vor den Winter hin. Mit dem Fahrrad (ohne Stromantrieb) zum Bahnhof und abends zurück. Im Sommer 15-20 Längen schwimmen, wöchentlich oder mehr. Und auf Züge rennen. Hier tracke ich Joggen, manchmal Bike-Touren, sporadisch auch Schimmen – mit Runkeeper. Und nächsten Winter bin ich wieder im Fitness-Studio. Also ganz okay für mich.

Musisches: eigentlich tue ich hier fast nichts. Viel Musik hören, vor allem bei der Arbeit. Sporadisch auf der Gitarre rumklimpern. Das wärs. Eigentlich zuwenig, wenn ich ehrlich bin. Ich vermisse die Band-Zeit. Und malen könnte ich auch wieder. Halt keine Frauen mehr, die ich für mich gewinnen möchte. Sondern eher so Schnuller und Windeln im Popart-Stil. Da will ich was ändern. Längerfristig.

Entspannung: Heute heisst das ja Wellness. Hier tue ich aktuell nichts für mich. Irgendwas mit Meditation wäre gut. Vermutlich Yoga. Und wieder mehr lesen. Auch einfach mal im Sessel liegen und Radio hören. Da will ich was ändern. Kurzfristig.

Mache ich das Richtige aus meinem Leben?
Diese Frage geht ans Eingemachte. Job: ich habe Grafiker gelernt und bin heute ziemlich gut in den Gebieten Corporate Design und Screendesign. Ich mache die Online-Welt ein bischen schöner und besser bedienbar. Menschen haben dann Freude daran, sind glücklicher und bestellen mehr in den Online-Shops. Das ist doch toll.

In der gleichen Zeit rettet ein Chirurg etwa 12 Menschen das Leben. Das ist grossartig. Nur: ich glaube im Alter von 36 Jahren einen Berufswechsel vom Art Director zum Chirurgen anzustreben, wäre leicht naiv.

Am Ende geht es im Leben immer nur ums Geld. Würde es keine Rolle spielen, täte ich wohl tatsächlich Orangen verkaufen. Und vielleicht ein paar Merchandising-Artikel dazu. Hipster-Shirts mit Orangen-Prints drauf. Und Holstee-mässig als Back-to-the-Roots-David gegen Marketing-Stunts wie z.B. das neue Coca Cola Life predigen, TEDx-Speaches rund um den Globus halten und überall meine Story erzählen, wie ich aus der Scheinwelt der Werbeindustrie aus- und aufgebrochen bin, um den Menschen zu helfen, wieder das Echte und Gute von der bösen Illusion unterscheiden zu können.

Denn die Werbung sagt: wer nicht Lotto spielt, der kann auch nicht gewinnen. Vermutlich aber auch der, der nichts wagt. Und offenbar ist es ganz gesund, zwischendurch mal krank zu sein.

Veröffentlicht von: David Blum in Read
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