Das perfekte Profilbild

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Online geben wir uns ein Gesicht, in dem wir ein Bild von uns den verschiedenen Diensten hinterlegen. Facebook nennt sich so, da es ein Buch voller Gesichter ist (der Name bezieht sich auf die Jahrbücher mit Abbildungen von Studenten, die an manchen US-amerikanischen Colleges verteilt werden). Sekundenschnell identifizieren wir unsere virtuellen Freunde in erster Linie dank dem kleinen Bild, das da neben dem Namen und der Nachricht, dem Bild oder Video prangert.

Da ich mir kürzlich ein neues Profilbild shooten liess, setzte ich mich wieder mit der Thematik auseinander, wie denn heute ein perfektes Profilbild auszusehen hat (keine Angst, dieses Mal gibt es kein Avatar-Rating mehr). Also setzte ich mich mit Mike von merlin photography ins Studio und wir testeten verschiedene Posen. Mal fast seitlich im Profil (Bild oben), mal leicht über meine Schulter guckend, mal etwas von oben und so weiter.

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Zwischendurch testeten wir das Bild gleich am Bildschirm, setzten einen quadratischen Ausschnitt und verkleinerten das Bild auf 40 x 40 px, um die Wirkung zu testen, wie das Bild beispielsweise in Facebook im Stream angezeigt wird. Schnell zeigte sich, dass eine frontale Aufnahme, so konventionell diese Perspektive auch scheinen mag, das beste Resultat für die verkleinerte Darstellung brachte.

Wir schraubten im Studio an verschiedenen Beleuchtungen rum, bis das Resultat dem entsprach, was ich mir als Portrait so vorgestellt hatte und bis auch die verkleinerte Version eine Wiedererkennung meiner Wenigkeit gewährleistete.

Die 5 Regeln eines guten Profilbildes
Später, als ich das Bild in Photoshop nachträglich noch etwas nachbearbeitete, fiel mir auf, dass auch für ein Profilbild ähnliche Regeln wie bei der Gestaltung eines Icons gelten. Zudem gibt es beim «Personal Branding» auch einige weitere Punkte zu beachten:

  1. Keine Details: zuviele Details ergeben klein dargestellt ein unklar-verschwommenes Bild
  2. Richtiger Zuschnitt: zuviel Raum um das Gesicht erschwert bis verunmöglicht die Identifikation in einer Miniatur
  3. Guter Kontrast: schwache Kontraste zerfallen und wirken klein unscharf
  4. Auffallendes Sujet: Je eigenständiger und auffälliger das Bild ist, desto schneller wird es beim Durchscrollen in Streams wiedererkennt. Wenn man das will.
  5. Gute Qualität: unscharfe, schlecht belichtete oder geblitzdingste Portraits wirken sehr schnell trashig. Kann sein, dass man das bewusst möchte. Doch meistens wird dann aus der Not eine Tugend gemacht.

Eigentlich wär’s das schon. Wem das nicht reicht, hier die einzelnen Punkte kurz  genauer erläutert:

Keine Details
Trotz HD-/Retina-Displays: viele kleine Details, sei es in einem Icon oder in einem Profilbild, fliessen stark verkleinert ineinander und werden zu einem Brei. Gerade bei der Logo-Gestaltung achten Designer aus diesem Grund darauf, ein Logo so grafisch abstrahiert wie nur möglich zu machen (ein gutes Logo sollte sich, männlicherseits, gut in den Schnee pinkeln lassen).

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Bei einem Foto wird es natürlich schwieriger, auf Details zu verzichten. Ein Fotograf kann jedoch im Studio mit Beleuchtung und vielen Tricks wie Aufhellern und Spitzlichtern versuchen, das Gesicht zu «modellieren» und so die wichtigen Partien wie Augen, Mund, Haare, Kinn usw. zu betonen.

Richtiger Zuschnitt
Hier gibt es bei den meisten Profilbildern Luft nach oben, wenn es um den Beschnitt geht. Oft wird das Foto nach dem Hochladen in Facebook und co. so beschnitten, wie es die Software vorschlägt. Dabei gibt es hier eine einfache Regel: so viel wie möglich beschneiden! Dazu braucht es auch etwas Mut (oder ein gutes Bild), sich so «nahe» der Netzgemeinde zeigen zu wollen.

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Doch für die Identifikation online und ab und an auch mal im Real-Life hilft es ungemein, wenn das Gesicht so eng wie möglich beschnitten ist. Auch wenn man am liebsten noch seinen Tesla oder seine Kids mit auf dem Bild möchte (dafür gibt’s dann die Cover-Bilder).

Guter Kontrast
Apps wie Facebook, Twitter und co. werden viel auch unterwegs auf Smartphones bedient. Das Umgebungslicht kann also oft auch hell sein (Neonbeleuchtung morgens in den ÖV, Sonneneinstrahlung in der Mittagspause etc). Fotos, welche einen schwachen Kontrast aufweisen, können in solchen Situationen nur vage oder gar nicht identifiziert werden, da sie grundsätzlich zu hell sind. Wichtig also, dass ein Bild möglichst über viel Kontrast verfügt.

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Auffallendes Bild
Dieser Punkt ist der vielleicht Schwierigste. Mein letztes Profilbild färbte ich Gelb ein, damit ich in den Timelines auffiel. Gelb hiess, der Blum erzählt wieder irgend einen Mist. Personal Branding oder so. Eine auffällige leuchtende Farbe sticht aus den Unmengen von Profilbildern klar heraus. Eine andere Auffälligkeit kann auch eine spannende Bildkomposition, Grimasse, Kopfbekleidung oder Beleuchtung sein.

Gute Qualität
Ich hatte das Glück, mich professionell fotografieren lassen zu können. Ein gutes Portrait kostet schnell mal auch ein paar Hundert Franken. Wem ein gutes Profilbild wichtig ist, der sollte sich diese Investition gönnen. Alternativ gibt es hier in der Schweiz auch den #AvatarDay, welchen Barbara Hess ins Leben gerufen hat: während einer Art Social Meetup werden serienmässig ein Portrait nach dem anderen kostenlos geshootet (nächster AvatarDay findet am 14. November statt).

Natürlich muss jeder für sich entscheiden, wie wichtig einem das Profilbild ist und ob nicht doch der Schnappschuss von den letzten Ferien auf Teneriffa reicht. Wer jedoch häufig online kommuniziert und seine Meinung kundtut, der wird sich mit einem guten Abbild seiner Selbst viel wohler fühlen. Denn ein gutes Profilbild verleiht einem das gleiche Gefühl, wie an einem Good-Hair-Day: man fühlt sich dauerhaft unheimlich sexy und läuft kommunikativ zur Hochform auf. Glaubt mir.

Veröffentlicht von: David Blum in Read
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