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Sonntag, 30. Juni 2013
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2 min read

Alles nur gecloud
Mit der Leichtigkeit eines frühpensionierten Pferdes galoppieren meine Gedanken heute über die feuchte Wiese unserer täglichen Kommunikation im Internet. Digital hier, Facebook-Trends da, X kauft Y auf, da drüben eine Killer-App, dort ein Shitstorm, Datenschnüfflerei und Blogger gegen Journalisten, endlosen Klout-Listen, iOS ist die Norm und ein vom Navi fehlgeleiteter Lastwagen landet auf der Titelseite.

Alles was wir tun und lassen, dafür gibt es jetzt die Cloud. Wer Daten schützt, soll nun nicht spassen, denn alles wird ihm anvertraut. Obwohl wir mit Sicherheit wissen, dass es Sicherheit sicher nicht gibt, wird kein Blatt zerrissen, bevor die Kopie nicht in den Wolken liegt. Tastaturen und Mäuse verschwinden vom Schreibtisch, was bleibt ist ein Screen der fast nie von Fettschlieren befreit ist. Wir hängen verbissen an den Lippen der Industrie und hoffen auf die digitale Revolution, nur: wann kommt sie? 

«Sie ist schon längst da», schreien die Einen. «Guck was vor dem iPhone war, war doch zum Weinen!» Die Anderen gähnen gelangweilt und meinen, das stimme so kontextlos natürlich nur zum Einen. Zum Anderen aber meinen sie schlau “Alter, die Computerindustrie steckt heute noch im Mittelalter”. Nur an den Besten auf dem Markt zu messen wo wir denn stehen, ist doch vermessen. Wenn wir uns stattdessen gönnten, kurz in uns zu gehen und bemerken was wir möchten und könnten, würden wir vielleicht bald sehen, wo wir heute wirklich stehen.

Leder und Holz, weisse Möbel mit Gebrauchtspuren und auf der Schreibmaschine arbeiten im Starbucks: wir wünschten uns wieder retour nach früher. Wo alles besser war, zumindest das was besser war. Damals, als Kaugummis noch Zucker enthielten und die Fahrkarten im Zug noch aus Karton waren. Oder damals, als man noch im Fernsehen rauchen durfte. Noch früher, als nicht jeder ein Auto besass und… okay, das war nicht besser. Und doch:

Wir sehnen uns nach Halt und Boden, nach Dingen die nicht kalt sind oder vollgespickt mit Dioden. Nach Echtem und Realem, nach Kurzwarenladen statt Coop, Papier statt XML, Kopfweh vom Schnaps statt vom WLAN, Globibücher mit den Originalzeichnungen und diesem Arztköfferchen mit den Plastikhämmerchen, Sendepausebilder im TV und Gummitwist, nach all dem von früher was eigentlich erst gestern war. Wir möchten wieder zurück, was uns gefiel. Die Fähigkeit zu denken, nur zum Beispiel. Wir müssen heute nichts mehr wissen. Nur eines: wo wir alles gespeichert haben.

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